Taktisch geprägtes Duell mit dem VfL von Mainzer Fehlern entschieden - Kohr gibt 05-Debüt

Es war eigentlich ein Spiel, das aufgrund seiner Chancenarmut keine Tore verdient hatte zum Hinrunden-Abschluss in der OPEL ARENA im Duell zwischen dem FSV und dem VfL Wolfsburg: Weil die Gäste im zweiten Durchgang dann aber zwei Momente der Unachtsamkeit auf Seiten der 05ER eiskalt ausnutzten und durch Joker Bartosz Bialek und Torjäger Wout Weghorst zuschlugen, mussten sich die Mainzer nach 90 weitestgehend ausgeglichenen Minuten mit 0:2 (0:0) geschlagen geben. Und warten somit weiter auf den ersten Heimsieg der Saison.

Eine Veränderung hatte Bo Svensson gegenüber dem Remis von Dortmund vorgenommen und Karim Onisiwo für Robin Quaison neben Jonathan Burkardt in den Sturm beordert.

Den ersten Torschuss in einer Anfangsphase, in der beide Teams sich zunächst abtasteten, gab der neue Mann nach knapp sechs Spielminuten aber, doch der Versuch von Onisiwo landete rund zwei Meter neben dem Gehäuse. Diziplinierte 05ER ließen defensiv zunächst nichts anbrennen und kamen selbst nach einer Standard-Situation erneut zum Abschluss, als Alex Hack einen Freistoß von Danny Latza neben das Gehäuse setzte (12.). Der erste Versuch der Gäste dann fünf Minuten später: Leandro Barreiro blockte einen Schuss von 05-Eigengewächs Ridle Baku, der erstmals als Gegner den Rasen in der OPEL ARENA betreten hatte, aus 14 Metern (17.). Viel spielte sich in diesem ersten Durchgang in der neutralen Zone ab, weil beide Teams gut verteidigten und die Räume geschickt verdichteten. So musste wieder ein Standard her, um für so etwas wie Torgefahr zu sorgen. Doch der Freistoß von Maximilian Arnold landete auf dem Tornetz, Zentner wäre zur Stelle gewesen (21.). Bis zum Pausenpfiff des Unparteiischen Sören Storks versuchten es auf Seiten des FSV dann noch einmal Moussa Niakhaté (24., vorbei) und erneut Baku (35., ans Außennetz) für die Wölfe. Wenig später ging es mit einem leistungsgerechten torlosen Remis in die Katakomben der OPEL ARENA.

Wolfsburg lässt sich nicht zwei Mal bitten

Nach 52 Minuten wurde es dann erstmals so richtig brenzlig vor dem Gehäuse der 05ER, als Hack einen Versuch von Maximilian Philipp im Anschluss an einen Eckstoß vor dem Tor blocken konnte. Ansonsten tat sich nicht viel, weil sich das Leder meist in den ungefährlichen Räumen zwischen beiden Strafräumen wiederfand und vielversprechende Umschaltaktionen häufig durch taktische Fouls im Keim erstickt wurden. Nach einer guten Stunde reagierte Svensson erstmals und brachte in Niklas Tauer und Neuzgang Dominik Kohr zwei frische Kräfte. Die beiden Mittelfeldspieler erstzten Jean-Paul Boëtius und Levin Öztunali. Die Beiden waren kaum im Spiel, da sorgte ein Moment der Mainzer Inkonsequenz, gefolgt von einem Wolfsburger Geistesblitz für die Gäste-Führung. Phillipp Mwene misslang der Versuch, den Ball resolut aus der Gefahrenzone zu befördern, der Ball landete bei Arnold, der blitzschnell schaltete und den Schnittstellenpass auf den soeben eingewechselten Bialek spielte. Der 19-Jährige ließ Zentner schließlich aus zehn Metern keine Abwehrchance (65.). Würden die 05ER hier nochmal zurückschlagen können?

Der Cheftrainer reagierte und löste die Fünferkette mit der Einwechslung von Ádám Szalai für Stefan Bell auf - das klare Zeichen für eine Schlussoffensive. Statt der erhofften Chance aufs Comeback in diesem Spiel nutzten die Gäste die nächste Unachtsamkeit des FSV allerdings erneut eiskalt und erhöhten auf 2:0 - die Vorentscheidung. Hacks Rückpass auf Zentner war gehörig misslungen und Weghorst bedankte sich mit seinem Chip über Zentner hinweg (79.). Mit diesem Treffer hatte der VfL dem FSV endgültig den Zahn gezogen inmitten dieser kräftezehrenden Englischen Woche. Während die Gäste das Ergebnis nun im Schonmodus verwalteten, tat sich auch bis zum Ende der dreinminütigen Nachspielzeit kaum eine Lücke mehr auf in der Defenisve der Gäste. Und, weil auch Onisiwos Volley in letzter Sekunde das Gehäuse verfehlte, blieb es letztlich beim 0:2 aus Sicht der Mainzer, die am Samstagnachmittag erneut in der OPEL ARENA gefordert sind, wenn mit RB Leipzig ein weiteres Top-Team am Rhein zu Gast ist.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Bo Svensson (05-Coach): „Es war lange ein Spiel ohne richtige Torchancen. Es war klar, dass die Mannschaft, die das erste Tor machen würde, als Sieger vom Platz gehen würde. Beim 0:1 hat man die hohe individuelle Qualität des VfL gesehen, nach dem 0:2 war das Spiel entscheiden. Wir haben leider Fehler gemacht, den Gegner eingeladen. Trotzdem müssen wir nach vorne schauen. Wir müssen diese Sachen in Defensive abstellen und Lösungen in der Offensive suchen. In beide Richtungen haben wir Bedarf.“

...zum Abgang von Jean-Philippe Mateta: „Wir brauchen nicht ins Detail zu gehen. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass es für alle Seiten die beste Lösung ist.“
Martin Schmidt (05-Sportdirektor): „Über weite Phasen war es ein typisches 0:0-Spiel. Und der erste gute Ball der Wolfsburger in die Schnittstelle unserer Fünferkette führt zum 0:1. Danach hat man gemerkt, dass wir zuhause nicht gerade vor Selbstvertrauen überschäumen und waren schon geknickt. Leider haben wir das Spiel dann mit dem zweiten Gegentor noch mitentschieden. Bo Svensson dreht an den richtigen Schrauben und alle kämpfen und alle fighten – aber jetzt müssen wir auch die Fehler abstellen. Bei den letzten fünf Gegentoren haben wir vier Mal mitgeholfen. Wenn wir das abstellen, dann werden wir auch Punkte einfahren.“
Stefan Bell (05-Verteidiger): „Wir waren noch mal stabiler als am Samstag gegen Dortmund und hatten auf beiden Seiten keine Großchancen. Die defensive Arbeit hat sich extrem gut angefühlt. Aber klar müssen wir es in so einem Spiel schaffen, wenn wir schon nach vorne nicht so viel hinbekommen, dass wir hinten die Null halten und keine individuellen Fehler machen. Leider kam ein sehr guter Ball der Wolfsburger in die Schnittstelle und der wurde genutzt. Und das zweite Tor sollte nicht passieren, kommt aber heute leider auch dazu.“
Dominik Kohr (05-Neuzugang): „Wolfsburg hatte zwei Chancen und hat beide eiskalt genutzt. Wir hatten einen Plan und sind mit Kampf und Leidenschaft ins Spiel gegangen und das wird uns auch aus der Situation heraushelfen. Ich bin überzeugt davon, dass wir das umbiegen können – der Klassenverbleib ist das große Ziel.“
Oliver Glasner (Trainer VfL Wolfsburg): „Ich bin froh und glücklich über den Sieg. Es war ein echtes Kampfspiel, kein echter Leckerbissen. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore erzielt. Und dann haben wir den einen Fehler, den Mainz gemacht hat, ausgenutzt. Mainz hat gezeigt, dass es ein unangenehmer und robuster Gegner ist.“

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Note: 3
Undankbarer Abend für den Keeper. Musste 66 Minuten lang nicht groß eingreifen - beim Gegentor war er dann machtlos. Ebenso bei Weghorsts 0:2. Zentner trieb seine Vorderleute bis zum Schluss an - würden doch nur mehr Mainzer so beherzt auftreten.

Levin Öztunali: Note: 5
Nach seinem Traumtor in Dortmund diesmal ein Totalausfall. Der 24-Jährige verlor zu viele Zweikämpfe, ließ die nötige Spannung vermissen. 05-Trainer Bo Svensson erlöste ihn in der 61. Minute, brachte Niklas Tauer.
Moussa Niakhaté: Note: 4,5
Machte anfangs Weghorst und Co. das Leben schwer. Aber es fehlt die Konstanz: Wie so oft zuletzt leistete sich der Innenverteidiger einen spielentscheidenden Fehler, war beim 0:1 viel weit weg vom eingewechselten Bialek. Kann Svensson ihn endlich wachrütteln?
Stefan Bell: Note: 4
Der Top-Comebacker von Dortmund verrichtete erneut Kärrnerarbeit, mühte sich nach Kräften - genauso diese fehlten dem Routinier aber diesmal im zweiten Durchgang. Wich in der 74. Minute für den zusätzlichen Angreifer Adam Szalai.
Alexander Hack: Note: 4,5
Es lief so gut beim Innenverteidiger die vergangenen Wochen, auch gegen den VfL über zwei Drittel der Begegnung ließ er nichts zu - und dann so ein krasser Aussetzer: Hack wollte den Ball zurück zu Zentner spielen, verstolperte aber. Die fatale Folge: Weghorst schnappte sich das Spielgerät, lupfte ein - die endgültige Entscheidung. Ärgerte sich selbst am meisten darüber.
Phillipp Mwene: Note: 4
Erneut in der Startelf, erneut aber nicht so richtig drin. Hatte mit dem Ex-05er Ridle Baku aber auch einen schweren Kontrahenten. Sein missglückter Pass landete in der 66. Minute beim VfL - der Anfang der Wolfsburger Führung. Mwene müsste wohl weichen, sobald ein neuer Außenverteidiger käme.
Danny Latza: Note: 3,5
Der Kapitän machte viele Meter, räumte in der ersten Halbzeit viel ab. Im zweiten Durchgang war aber auch er kein großer Antreiber mehr.
Leandro Barreiro: Note: 3,5
Wirkte bemüht, machte seine Sache bis zur Pause ordentlich. Dem Luxemburger will aber noch nicht der nächste Entwicklungsschritt gelingen.
Jean-Paul Boetius: Note: 4,5
Einer seiner vielen schwachen Auftritte in dieser Saison. Zu uninspiriert unterwegs. Der Niederländer sollte doch wissen, wie viel von ihm abhängt.
Jonathan Burkardt: Note: 3,5
Der Youngster ackerte und ackerte, wurde aber nie wirklich in Szene gesetzt. Gut, dass Svensson ihm weiter vertraut. Doch Burkardt braucht mehr Erfolgserlebnisse, um weiter zu reifen.
Karim Onisiwo: Note: 4
Der Österreicher rotierte in die Anfangsformation, hing sich rein. Eine Mini-Chance in der sechsten Minute, ein Schuss in der Nachspielzeit knapp am Tor vorbei - das war es jedoch. Rieb sich zu sehr in defensiven Zweikämpfen auf. Ernsthafte Torgefahr will er derzeit einfach nicht ausstrahlen.
Dominik Kohr: Feierte 24 Stunden nach seiner Verpflichtung sein Debüt in der 61. Minute (für Boetius). Dem Neuzugang fehlte sichtlich noch die Bindung. Kohr war diesmal noch kein Faktor. Das kann noch kommen. Das Problem: Es muss schnell gehen.
Niklas Tauer: Svensson hat Gefallen am Nachwuchstalent gefunden. Der 19-jährige Mittelfeldmann durfte wie schon in Dortmund als Joker ran, diesmal sogar fast eine halbe Stunde. Motiviert und fokussiert. Seine Zeit wird noch kommen.
Adam Szalai: Der Ungar übernahm für Bell. Rannte ein paar Mal an. Hat derzeit aber kein Bundesliga-Format.
Robin Quaison: Kam acht Minuten vor dem Ende für Burkardt. Der Schwede trat aber nicht mehr in Erscheinung.

Mannschaftsfoto Saison 2020/2021