St. Juste hat das letzte Wort - FSV bezwingt Hertha

05ER feiern Befreiungsschlag gegen Berlin & erste drei Punkte

Furiose Schlussphase in der OPEL ARENA: Jeremiah St. Juste war am Samstagnachmittag neben Torhüter Robin Zentner der gefeierte Mann im Lager des FSV. Der Holländer konterte den späten Ausgleich der Hertha durch Marko Grujic aus Minute 83 mit dem 2:1-Siegtreffer in der 88. Minute per Kopf nach einem Brosinski-Eckball. Die 1:0-Führung hatte vor der Pause Robin Quaison besorgt, Zentner sein Team vor allem in Halbzeit zwei mit mehreren Glanztaten vor einem früheren Ausgleichstreffer bewahrt und seine Klasse unter Beweis gestellt.

Sandro Schwarz hatte sein Team nach der Länderspielpause gegenüber der Partie in München auf sechs Positionen verändert. Für den verletzten Florian Müller rückte Robin Zentner zwischen die Pfosten, während Daniel Brosinski, St. Juste, Kunde Malong, Ádám Szalai und Robin Quaison den Vorzug erhielten vor Ronaël Pierre-Gabriel, Alexander Hack, Ridle Baku, Jonathan Burkardt und Karim Onisiwo.

Die Gäste begannen abwartend und überließen den wieder im 4-4-2-Raute agierenden Mainzern zunächst große Teile des Feldes. Den ersten Warnschuss gab Kunde Malong in der 4. Minute ab, doch sein Versuch aus gut 20 Metern landete über dem Querbalken. Noch deutlicher über dem Gehäuse landete fünf Minuten später der erste Berliner Torschuss von Grujic (9.). Spielbestimmend blieb dennoch weiter der FSV, und nur rund 60 Sekunden später versuchte sich erneut Kunde, zielte aber wieder nicht genau genug, der Ball rauschte am linken Pfosten vorbei (10.). Wenig später wurde es vor beiden Toren dann erstmals brandgefährlich. Zunächst verpasste Quaison einen schönen Pass von Boëtius in die Gasse nur haarscharf, Jarstein war zuerst am Ball. Und im direkten Gegenzug mussten die 05ER tief durchatmen, als Davie Selke am Außenpfosten scheiterte (16.). Die Chancen häuften sich nun und Jarstein verhinderte mit einer Glanzparade nach einem Schuss von Danny Latza die Mainzer Führung (18.). Der FSV zeigte zwar die reifere Spielanlage, wurde aber in der einen oder anderen Situation leichtsinnig. So auch, als Moussa Niakhaté den Ball vor dem eigenen Strafraum verlor und Selke Zentner erstmals zum Eingreifen zwang (21.).

Es war eine unterhaltsame Partie in der OPEL ARENA mit Chancen auf beiden Seiten, wobei die Hausherren ein klares Plus für sich verzeichnen konnten in der ersten halben Stunde. Dem Führungstreffer nahe kam so auch Brosinski, der sich aus halbrechter Position ein Herz fasste und Jarstein erneut zu einer Glanztat zwang (26.). Chancen blieben in einer intensiv geführten Begegnung anschließend bis kurz vor dem Ende des ersten Durchgangs aus, dafür nutzte der FSV einen Angriff in der 40. Minute zur verdienten Führung: Kunde startete nach einem langen Zentner-Abschlag ein Solo, legte quer auf Quaison, der das Leder aus kurzer Distanz nur noch über die Linie drücken musste.

Hertha am Drücker - Zentner in Hochform

Zu Beginn des zweiten Durchgangs die Hertha dann fast mit einem Blitzstart: Lukebakio bediente Selke sieben Meter vor dem Mainzer Kasten, doch Zentner war zur Stelle und verhinderte mit einer Klasse-Aktion den Ausgleich (47.). Auf der gegenüberliegenden Seite hatte Szalai Pech, dass er Quaison aus 20 Metern anschoss, der Ball so nicht den Weg aufs Tor fand (48.). Es ging nun richtig zur Sache. In der 51. Minute war es wieder Zentner, der gegen Ondrej Duda zur Stelle war und Glück hatte, dass der Rebound von Lukebakio per Fallrückzieher auf dem Tornetz landete. Doch auch der FSV blieb im Spiel und hatte durch Szalais Kopfball nach Freistoß von Aarón die nächste Gelegenheit, Jarstein parierte (54.). Dennoch hieß es auch in den Minuten danach: Immer wieder Zentner! Gegen Duda reagierte die Nummer zwei der 05ER nach einer Stunde ein weiteres Mal glänzend und klärte zur Ecke (60.).

In einer nun ausgeglichenen Partie, mit deutlich aktiveren Gästen als noch vor dem Seitenwechsel, stabilisierte sich der FSV anschließend wieder in der Defensive. Zunächst allerdings auch, ohne selbst zu weiteren nennenswerten Gelegenheiten zu kommen.Gleiches galt jedoch auch für die Gäste, so dass es mit der knappen 1:0-Führung der Mainzer in die Schlussphase ging. Spätestens in der 80. Minute blies Gäste-Trainer Ante Covic mit der Einwechlslung von Dilrosun für Boyata zur Schlussoffensive und stellte vom zuvor praktizierten 5-2-1-2 auf ein deutlich offensiveres 4-3-3 um. Ausgangspunkt des wenig später folgenden Ausgleichs war dann aber ein Fehler der Gastgeber im Spielaufbau, in dessen Folge der eingwechselte Dilrosun flankte und Grujic Zentner aus sechs Metern per Kopf keine Chance ließ - 1:1 (83.). Zurückschlagen können hätte der FSV wenig später bereits bei einem Konter, doch die Flanke von Boëtius erreichte den in Position gelaufenen Baku nicht. Die darauffolgende Ecke brachte dann aber doch die erneute Führung. Brosinski flankte und Sommer-Neuzugang St. Juste köpfte mit seinem ersten Bundesliga-Treffer zum 2:1 ein (88.). Entschieden war die Partie damit noch nicht, denn die Hertha reagierte nochmal und hätte bei einem Plattenhardt-Freistoß sowie einem Kopfball von Stark erneut ausgleichen können. Mit Glück und Geschick brachten die Mainzer die Führung nach verrrückten Schlussminuten über die Zeit und sicherten sich so die ersten drei Zähler der noch jungen Saison. Am kommenden Freitag (20.30 Uhr) sind die 05ER bei Schalke 04 im Einsatz.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Jeremiah St. Juste (05-Siegtorschütze): „Es ist einfach traumhaft gelaufen. Einfach überragend, wie wir dieses Mal zurückgekommen sind nach dem nächsten Rückschlag. Das tut so gut und ist für diese Mannschaft so wichtig. Darauf können wir aufbauen. Und dass mir in meinem ersten Heimspiel auch noch das Tor gelingt, ist genauso überragend: Ich bin einfach gesprungen und habe versucht, die Kugel zu treffen. Und dann war er drin. Überragend.“
Jean-Paul Böetius (05-Mittelfeldspieler): „Das ist natürlich ein sehr gutes Gefühl, endlich gewonnen zu haben, die drei Punkte sind sehr wichtig für uns. Wir wollten nach dem Spiel aber nicht zu viel feiern. Wir hatten aber auch Phasen nach der Pause, in denen die Abstände bei uns zu groß waren. Nach dem 1:1 habe ich gedacht: Nicht schon wieder. Robin hat sehr stark gehalten, dafür steht er in der Kiste und wir wissen alle, dass er so gut ist.“
Adam Szalai (05-Angreifer): „Das fühlt sich nach mehr als nur einem Sieg an, weil er so wichtig war. Die Hauptsache sind die drei Punkte, meine eigene Leistung müssen andere bewerten. Nach dem Gegentor war ich erst enttäuscht, weil ich die drei Punkte zu Hause behalten wollte.“
Sandro Schwarz (05-Trainer): „Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen. In der ersten Halbzeit hatten wir die Kontrolle, aber auch beim Spielaufbau unnötige Ballverluste. Wir haben aber auch einige Angriffe gestartet und sind aus Fernschüssen gefährlich geworden, deshalb auch verdient in Führung gegangen. Nach der Halbzeit hat die Hertha in ihrem Ballbesitz Dominanz ausgestrahlt, wir haben es verpasst, die Umschaltsituationen zu nutzen. Wir haben folgerichtig das 1:1 bekommen. Es war für uns nach den letzten Wochen eine extrem wichtige emotionale Erfahrung, nach diesem verdienten Nackenschlag mit dem Standard so wieder zurückzukommen. Endlich war mal das Momentum auf unserer Seite.“
Rouven Schröder (05-Sportvorstand): „Dieser Sieg hat allen gut getan. Überhaupt hatte das Spiel einen schönen Spielfilm - und endlich hatten wir das Glück auf unserer Seite. Die Fans sind unfassbar abgegangen, allen sind Tonnenlasten vom Herzen gefallen. Die Erleichterung ist in der ganzen 05-Familie riesengroß. Aber wir wissen auch: Es geht weiter - und nächste Woche müssen wir auf Schalke abliefern.“
Robin Zentner (05-Keeper): „Endlich hat sich die Mannschaft mal belohnen können. Wir sind einfach sehr glücklich über diesen Sieg. Die Erleichterung ist groß, aber dieser Befreiungsschlag bedeutet nichts für das Schalke-Spiel am nächsten Freitag. Da beginnen wir wieder bei Null.“
Ante Covic (Hertha-Trainer): „Wir haben eine anderes Gesicht gezeigt als auf Schalke und haben trotz wenig Ballbesitzes die ersten beiden guten Chance gehabt. Nach der Halbzeit haben wir sehr viel Aufwand betrieben, hatten Riesenchancen und trotz 16 Torschüssen nur ein Tor erzielt, das ist unvorstellbar. Wir haben nach vier Spieltagen nur einen Punkt und müssen deshalb weiter so fleißig sein, wie wir waren und dann auch die Tore machen.“
Nach dem Abpfiff des Keller-Duells wurde der Mainzer Torwart Robin Zentner minutenlang von den Fans gefeiert. «Es ist ein Fußballspiel und man weiß, was man zu tun hat», sagte der 24 Jahre alte Schlussmann nach dem 2:1 (1:0) gegen Hertha BSC cool.

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Note: 1
Eine Spitzenleistung auf Abruf. Mit einer guten Ausstrahlung, einer großen Sicherheit und klasse Paraden. Die Lebensversicherung der 05er in diesem Spiel. Ein Auftritt, der eigentlich mit weiteren Einsätzen belohnt werde muss. Unabhängig der Torhüter-Hierarchie. Besser geht es (fast) nicht.

Daniel Brosinski: Note: 3,5
Rückkehr in die Startelf mit Licht (Ecke zum 2:1, 18-Meter-Schuss) und Schatten (zu zögerlich bei der Flanke zum 1:1).
Jeremiah St. Juste: Note: 2,5
Erstes Heimspiel, erste Ausrufezeichen: Der Wille und die Wucht des fliegenden Holländers bescherte den 05ern nicht nur das 2:1, sein Tempo, sein Auge und seine Präsenz gibt Stabilität. So dürften auch die kleineren Abstimmungsprobleme alsbald beseitigt werden.
Moussa Niakhaté: Note: 3,5
So abgeklärt der 23-Jährige in den meisten Situationen agierte, so sehr schwankte er, als er von Selke einmal abgekocht wurde. Auch bei Grujics 1:1 nur Begleiter.
Aaron Martin: Note: 3,5
Wieder bissiger und griffiger als zuletzt, aber ohne groß aufzufallen.
Kunde Malong: Note: 2,5
Der Motor im Zentrum. Wenige Stotterphasen, dafür einen klaren Blick für Lücken und Situationen. Mit Zug im Vorwärtsgang. Ganz stark seine Vorarbeit zu Quaisons Führungstreffer. In dieser Form auf der Sechs gesetzt.
Edimilson Fernandes: Note: 3,5
Viel besser als zuletzt. Ordentliche erste Halbzeit mit vielen Balleroberungen. Später etwas untergegangen - und ausgewechselt (67.).
Danny Latza: Note: 3
Ein mitreißender, energischer und lauter Auftritt des Kapitäns, der seine Mitspieler immer wieder motivierte und mitzog. Das ließ über Defizite (zu zögerlich vor der Flanke zum 1:1) hinwegsehen.
Jean-Paul Boetius: Note: 4
Erwischte keinen guten Tag. Viele unglückliche Aktionen, viele Ballverluste, viel Leerlauf trotz der besten Laufleistung (11,39 km).
Adam Szalai: Note: 3
Wirklich wichtig, dass der Ungar wieder da ist. Vorbildlicher Einsatz bis zum Limit. Stark in der Ballbehauptung - auch wenn die Weiterleitung noch zu optimieren ist. Braucht noch mehr Chancen. Angeschlagen und abgearbeitet ausgewechselt (76.).
Robin Quaison: Note: 2,5
Der Schwede blühte nach seiner Länderspielreise auf. Gute Dribblings, gut im Eins-gegen-Eins, einige gute Szenen. Die Belohnung: sein zweites Saisontor.
Ridle Baku: Note: 0
Kam in der 67. Minute für Edi Fernandes.
Karim Onisiwo: Note: 0
Ab der 76. für Adam Szalai im Spiel und sehr bemüht.
Jonathan Burkardt: Note: 0
Keine drei Minuten im Match, da klärte der Youngster in der Mauer Plattenhardts Freistoß mit dem Kopf.
Im Kader: Dahmen (TW), Hack, Pierre-Gabriel, Maxim, Öztunali, Awoniyi.

Mannschaftsfoto Saison 2019/2020