FSV nutzt erste Gelegenheit zur Führung, doch die Gäste aus Düsseldorf síchern sich in der Schlussphase einen verdienten Punktgewinn

Mainz 05: Glücklicher Punkt gegen Düsseldorf

Spielerisch unterlegene 05er trennten sich vom Tabellennachbarn Fortuna Düssdeldorf 1:1. Levin Öztunali traf, 05-Keeper Robin Zentner musste verletzt raus, und Stürmer Jean-Philippe Mateta sah gelb-rot.

Mit diesem Zähler im Kellerduell mit Tabellennachbar Fortuna Düsseldorf kann sich Fußball-Bundesligist Mainz 05 mehr als glücklich schätzen. Auch wenn sie bei diesem 1:1 (0:0) zwischenzeitlich unerwartet und vom Spielverlauf her auch unverdient in Führung gegangen waren (Levin Öztunali, 62.) und erst fünf Minuten vor Schluss den späten Ausgleich kassierten (Kenan Karaman, 85.). 21.409 Zuschauer sahen in der Opel Arena eine offensiv schwache Mainzer Mannschaft, die fast zu keinem Zeitpunkt zu ihrem Spiel fand.

Pfiffe zur Pause: Von der versprochenen Vollgasveranstaltung ist in der ersten Halbzeit nichts zu sehen. Null, nada, niente. Dass die 05er mit Pfiffen in die Kabine verabschiedet werden, hat viele Gründe. Die beste Nachricht lautet zu diesem Zeitpunkt: Es steht 0:0. Und das ist ganz plump gesagt ein Witz. Denn in der Arena spielt nur eine Mannschaft – und die kommt aus Düsseldorf.
Die Fortunen agieren, die 05er reagieren. Weil sie fast immer einen Schritt zu spät sind, laufen sie Musik und Gegner hinterher. Die aussagekräftigen Zahlen zu einer Dreiviertelstunde zum Vergessen: 0:13 Torchancen, 0:2 Ecken, 37:63 Prozent Ballbesitz – die 05er kommen in kaum einen Zweikampf, kriegen kaum einen klaren Pass gespielt und sie tauchen nicht einmal im gegnerischen Strafraum auf. Kein Drang, keine Idee, keine Struktur im Aufbau- und Offensivspiel. Gefühlt spielen die 05er zu siebt, weil sich das aufgebotene Sturmtrio Mateta, Onisiwo und Quaison komplett im luftleeren Raum unterwegs ist. Ein offensives Vakuum, ein spielerischer Offenbarungseid.

Robin Quaison von Mainz 05 versucht Kevin Stöger von Düsseldorf zu überspielen. (Foto: Sascha Kopp)

Immerhin: Die Düsseldorfer agieren bei ihrem gefühlten Dutzend Distanzschüssen mit extremer Streuung. Nur einmal wird es für 05-Keeper Robin Zentner richtig ernst: Suttners Versuch aus nächster Nähe klärt der Schlussmann mit dem Kopf. Nach dieser erbärmlichen Vorstellung steht fest: Im zweiten Durchgang muss alles muss besser werden.
Und dieser zweite Abschnitt beginnt mit zwei Wechseln: Florian Müller ersetzt Zentner, der bei einer Flugeinlage aufs rechte Knie gefallen war. Levin Öztunali (für Ronael Pierre-Gabriel) soll auf der rechten Außenbahn für Schwung sorgen. Zunächst aber ändert sich nichts. Weil nichts klappt. Als Düsseldorfs Erik Thommy bis in den Strafraum durchläuft, ist Flo Müller zur Stelle, pariert stark. Der perfekte Einstand für den Keeper, der zuletzt am dritten Spieltag zwischen den 05-Pfosten gestanden hat. Die Null steht und die Nullfünfer nähern sich auch auf der anderen Seite an.
Der Jubel bei der ersten Ecke (58.) hat noch etwas von Galgenhumor. Kurz darauf tritt JP Mateta (erste Halbzeit: neun Ballkontakte) im Strafraum über den Ball – das hätte die erste Chance sein können (59.).

Öztunali drückt den Ball über die Linie

Drei Minuten später: der Urknall in diesem Spiel. Mateta lupft den Ball über den herauseilenden Keeper Kastenmeier, der eingewechselte Öztunali drückt den Ball mit dem Kopf über die Linie. In Anbetracht des Spielverlaufs ein unfassbares Ereignis, dieses Mainzer Führungstor (62.), das kurz noch vom Videoschiedsrichter auf eine Abseitsposition von Mateta überprüft wird. 1:0 – so kurios kann nur der Fußball sein. Grausam für die Düsseldorfer, das ist gewiss. Von Entlastung aber keine Spur. Florian Müller taucht bei Berishas Schuss noch einmal überragend ab (70.). Ab der 78. Minute „fighten“ die Mainzer in Unterzahl um ihren Vorsprung (Jean-Philippe Mateta sah die Gelb-Rote Karte, nachdem er im Zweikampf seinen Gegenspieler am Hals berührt hat) – und bringen sich nach sieben Minuten selbst um denselben. Jeffrey Bruma tritt Müller bei einer flachen Hereingabe, die der Keeper sicher gehabt hätte, auf die Hand, den Abpraller verwertet Kenan Karaman zum 1:1 (85.).

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Achim Beierlorzer: "Wir konnten heute vorne die Bälle nicht festmachen, haben kaum Kombinationsfußabll gespielt. Hinzu kamen individuelle Fehler und Fehlpässe auf Kniehöhe. Es war unheimlich schwer für ins Spiel zu kommen. Wir haben nach ein paar Minuten umgestellt und wollten defensiv stabiler stehen. Die Art und Weise, wie wir nach vorne gespielt haben, war aber das größte Problem. In der einen Szene, in der wir es gut gemacht haben, sind wir in Führung gegangen. Der Ausgleich passt natürlich zum Spiel heute, weil wir ihn eigentlich selbst geschossen haben, als Jeffrey Bruma Flo Müller den Ball quasi weggenommen hat. Es war ein richtig schlechtes Spiel von uns, aber wir nehmen den Punkt mit. Die Distanz nach unten bleibt gleich, wir müssen es aber im nächsten Spiel besser machen."

Robin Zentner (05-Keeper, der in der Pause verletzt raus musste): „Ich habe keine Ahnung, was es sein könnte. Das wird sich zeigen. Ich bin ohne Gegnereinwirkung doof auf das Knie gefallen. Ich habe direkt gemerkt, dass was ist. Es ist dann nicht besser geworden. Ich habe es in der Halbzeitpause noch mal probiert, aber die 100-prozentige Sicherheit war nicht mehr da. Und ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich bei einer Aktion diese nicht mehr gehabt hätte. Wir haben heute keinen guten Fußball gespielt, das Selbstvertrauen war nicht so da.“

Florian Müller (FSV-Torwart, der für Zentner ins Spiel kam): „Die Emotionen gingen rauf und runter heute. Es ist immer eine blöde Situation für einen Torwart, in der Halbzeit reinzukommen, wenn sich der andere verletzt. Das wünscht sich keiner. Ich hatte dann direkt ein paar gute Aktionen, bin gut reingekommen. Am Ende dann die unglückliche Aktion: Ich hatte den Ball eigentlich schon in der Hand, dann haut Jeffrey Bruma mit voller Wucht drauf. Ich habe noch gerufen: Torwart! Wir sind beide mit guten Willen reingegangen. Jeder hat gesehen, dass es heute kein gutes Spiel von uns war. Nach dem 1:0 waren wir griffiger, haben auch in Unterzahl alles reingehauen. Das können wir mitnehmen.“

Rouven Schröder: "Ich bin ein Freund davon, Dinge klar anzusprechen. Wir haben heute natürlich kein gutes Spiel gemacht, auch wenn wir niemandem das Engagement absprechen können. Wir sind nicht ins Spiel gekommen und mit jeder Aktion von Düsseldorf haben wir Selbstvertrauen verloren. Es war ein kurioses Spiel. Man muss klar sagen, dass das heute die maximale Ausbeute für uns war. Wir müssen wieder anders auftreten. Man sieht immer wieder, dass man in der Bundesliga den Ball auch nach ordentlichen Spielen flach halten muss."

Danny Latza:"Wir haben zuviele individuelle Fehler gemacht, aber am Ende trotzdem einen Punkt geholt und Düsseldorf auf Abstand gehalten. Wir hatten auch schon mal Spiele, wo wir so gespielt haben und nichts mitgenommen haben. Heute war es wenigstens ein Punkt und damit müssen wir dann zufrieden sein.

Karim Onisiwo: "Wir sind nicht so reingekommen, wie wir uns das vorgestellt haben. Das war ein ganz anderes Gesicht als letzte Woche. Wir haben auch die Zweikämpfe nicht so geführt, wie wir das wollten. Wir müssen nächste Woche im Training einfach wieder alles geben."

Uwe Rösler: "Es war eine sehr gute Reaktion von uns auf das Pokalspiel. Wir sind drei Kilometer mehr gelaufen als der Gegner, das war imponierend,. Mainz hat das Syystem mehrmals gewechselt, das zeigt, dass wir sehr gut im Spiel waren. Wir sind es zudem mental gut angegangen und haben auch gut auf das Gegentor reagiert. Es gibt viel Positives mitzunehmen, auch wenn wir nicht glücklich sein können heute. Wir haben nur drei Torschüsse zugelassen, vor der Pause gar keinen, und ich bin stolz auf meine Spieler."

Spieler in der Einzelkritik

Mannschaftsfoto Saison 2019/2020