Bell krönt beste Rückrunde der Vereinsgeschichte

Eigengewächs wird beim 3:2 in Wolfsburg zum Matchwinner - 05ER beenden Saison auf Rang zwölf

Beim VfL Wolfsburg haben die 05ER - eine Woche nach dem bereits geglückten Klassenerhalt - am Samstagnachmittag den perfekten Saisonabschluss feiern können und durch das 3:2 (1:0) beim Champions-League-Teilnehmer den zehnten Sieg eingefahren - einer war es nach 17 Spieltagen gewesen! Die Mainzer Treffer zum nicht unverdienten Erfolg gelangen Jean-Paul Boëtius, Robin Quaison und Stefan Bell (erstes Tor seit fast vier Jahren), während Maximlian Philipp und Joao Victor für die Gastgeber zwei Mal ausgeglichen hatten.

Drei Veränderungen hatte Bo Svensson gegenüber der Partie gegen den BVB vorgenommen und Bell, Dominik Kohr sowie Robin Quaison für Alexander Hack, Kapitän Danny Latza und Robert Glatzel zurück in die Startelf beordert. Bei den Gastgebern begann das 05-Eigengewächs Ridle Baku, der kurz nach Saisonbeginn vom FSV zum VfL gewechselt war.

Für beide Teams ging es zwar in Sachen Erreichen des Saisonziels (Wolfsburg in der Champions League, die 05ER sicher zum Klassenerhalt) um nichts mehr, dennoch waren die Kontrahenten bemüht, gut in die letzten 90 Minuten der Saison zu starten: Nach nur fünf Minuten verpasste Boëtius eine Hereingabe Karim Onisiwos nur knapp. Die Gastgeber kamen sechs Minuten später zu ihrer ersten Torannäherung, als Wout Weghorst nach einer Flanke von Kevin Mbabu per Kopf an den Ball kam und Finn Dahmen erstmals zum Eingreifen zwang - die Nummer zwei des FSV reagierte glänzend (11. Minute). Im Anschluss übernahmen die Wolfsburger immer mehr die Kontrolle und erneut war es Dahmen, der gegen einen Kopfball, diesmal von Mbabu selbst, einen möglichen Rückstand vereitelte.

Doch auch die Gäste blieben im Spiel und hätten nach einer knappen halben Stunde durchaus in Führung gehen können. Boëtius hatte Quaison perfekt in Szene gesetzt, der aus 15 Metern noch entscheidend von Linksverteidiger Paulo Otavio gestört wurde - die folgende Ecke brachte nichts ein (28.).Wenig später waren die 05ER das erste Mal zum Wechseln gezwungen, weil Leandro Barreiro nach einem Zweikampf unglücklich aufgekommen und sich am Oberschenkel verletzt hatte - ihn ersetzte Latza, der in seinem letzten Auftritt im 05-Trikot somit nochmal auf eine knappe Stunde Einsatzzeit kommen sollte (32.). Kurz vor der Pause in einer für einen letzten Spieltag durchaus intensiven Begegnung hatte Boëtius dann noch einmal die Gäste-Führung auf dem Fuß, doch nach der überlegten Rückgabe von Onisiwo parierte Pavao Pervan den von Quaison leicht abgefälschten Schuss per Fußabwehr (42.). Torlos sollte es dennoch nicht in die Katakomben gehen: Denn keine Chance hatte der österreichische Schlussmann zwei Minuten später nach einem feinen Mainzer Angriff: Über Danny da Costa landete der Ball im Strafraum bei Quaison, dessen Querpass Boëtius nur noch im leeren Tor unterbringen musste - 1:0 für den FSV (44.). Mit der knappen Führung ging es auch in die Pause.

Wilder Wiederbeginn - Bell macht den Deckel drauf

Unverändert kamen beide Teams zurück aufs Feld, und es dauerte keine 120 Sekunden, bis die Wölfe jubeln durften: Nach einer Flanke von Otavio war Philipp vor Bell am Ball und ließ Dahmen mit einem sehenswerten Abschluss keine Chance (47.). Einen Knacks verpasste dieser Gegentreffer den Gästen aber keinesfalls, die ihrerseits nur sieben Minuten später zurückschlugen. Boëtius hatte Onisiwo auf die Reise geschickt, der zunächst an Pervan scheiterte, der dann aber gegen den feinen Abschluss von Quaison in die kurze Ecke chancenlos war - 1:2 (54.). Nachdem die Gastgeber in der 61. Minute die schnelle Antwort bei einem Baku-Schlenzer noch verpassten, packte Joao Victor kurz darauf die ganz feine Klinge aus und überwand Dahmen aus 25 Metern unhaltbar in den Torwinkel - der Ausgleich (64.).

Mit dem Remis ging es auch in die Schlussphase. Und, abgesehen vom Versuch Maximilian Arnolds, den Dahmen sicher parierte, tat sich zunächst nicht viel. Bis der eingewechselte Edimilson Fernandes eine Ecke vor das Tor brachte, Bell am höchsten stieg und zur erneuten Mainzer Führung einköpfte (77.). Wieder waren die Gastgeber um eine schnelle Anwort bemüht, doch gleich zwei Mal fehlte Xaver Schlager die Fortune: Zunächst setzte der Schweizer einen Kopfball über das Gehäuse (80.), bevor sein Versuch aus der zweiten Reihe nur am Aluminium landete (82.). Der FSV war auf bestem Weg zum perfekten Abschluss dieser schier unglaublichen Rückrunde und hätte bei einer Doppelchance von Fernandes alles klar machen können, doch der Schweizer scheiterte zunächst an Pervan und setzte den Rebound anschließen etwas zu hoch an (86.). Trotz der verpassten Entscheidung war wenig später Schluss. Die Mainzer machten die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte (29 Punkte aus der Saison 2013/14 zuvor Bestwert) - 32 Zähler in 17 Partien - perfekt, beenden die Saison auf Platz zwölf und gehen mit einem weiteren Erfolgserlebnis in die wohlverdiente Sommerpause vor der dann 13. 05-Bundesliga-Saison in Serie!

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Bo Svensson (05-Trainer): „Es war ein wildes Spiel, wir hatten gute und schlechte Phasen. Die erste Druckphase von Wolfsburg haben wir überstanden und wurden dann gegen Ende der ersten Halbzeit besser. Nach dem Ausgleich ging es es wieder hin und her. Wir sind glücklich, dass wir das letzte Spiel gewonnen haben. Dass die Jungs zum letzten Mal in dieser Konstellation so zusammen Gas gegeben haben, spricht für sie. Wir sind nicht ins Spiel gegangen, die beste Rückrunde aller Zeiten zu spielen, es bedeutet, dass wir eine Phase mit einer besonderen Truppe erfolgreich abgeschlossen haben. Es hat einfach als Gruppe sehr, sehr gut funktioniert. Wir hatten jetzt acht Tage lang Bankett. Das reicht jetzt mal. Wenn wir in Mainz ankommen, ist Urlaub und die Spieler gehen zu ihren Familien.“
...zu Stefan Bell (05-Siegtorschütze, dessen Vertrag in diesem Sommer ausläuft): „Bello hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht heute. Dass er für uns getroffen hat freut uns für ihn. Jetzt über seinen Vertrag zu sprechen, ist aber noch zu früh.“
Stefan Bell (05-Siegtorschütze): „Es hat heute richtig Spaß gemacht. Wir haben zwar in der ersten Viertelstunde etwas gebraucht, haben dann aber die Kurve bekommen. Wir haben schneller gespielt, wurden immer besser und hatten dann auch mehr Spielanteile in einem offenen Schlagabtausch gegen einen starken Gegner. In der zweiten Halbzeit war es ein schönes, attraktives Spiel mit offenem Visier und tollen Toren - alle hatten einfach Bock zu kicken. Für mich persönlich war es ein perfekter Abschluss der Saison. Und ich habe ja auch lange genug darauf gewartet.“
...zur Saison: „Das war anfangs extrem frustrierend, dann extrem anstrengend. Mit einem Neuanfang im Winter: alles neu, alles anders. Und dann einen extremen Schwung aufgenommen, auch Matchglück gehabt und richtig geil zurückgekommen. Vielleicht ist es sogar der größte Erfolg in meiner Mainzer Zeit, wenn man mit etwas Abstand draufschaut.“
Danny Latza (05-Kapitän): „In der zweiten Halbzeit war es ein ständiges Hin und Her, ein offener Schlagabtausch. Beide wollten das letzte Spiel irgendwie gewinnen. Für uns war es ein super Abschluss. Für mich persönlich war es schön, das letzte Spiel mit den Jungs noch mal auf dem Platz genießen zu dürfen. Jetzt gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil ich den Verein gerade in dieser tollen Phase verlasse. Andererseits freue ich mich auch auf meine neue Aufgabe.“
Martin Schmidt (05-Sportdirektor): „Wir haben eine Champions-League-Rückrunde gespielt mit 32 Punkten und haben gegen die beste Heimverteidigung drei Tore erzielt. Ein rundum perfekter Tag und ein perfekter Abschluss einer Rückrunde, die man so schnell nicht vergisst. Platz zwölf, 39 Punkte, ein Wahnsinn.“
Maximilian Philipp (VfL-Torschütze): „Alles in allem war es ein verdienter Sieg für die Mainzer, die es wirklich gut gemacht haben und uns drei Gegentore beschert haben. Das geht aus unserer Sicht natürlich gar nicht. Wir waren insgesamt zu passiv, mit dem Kopf nicht ganz da.“
Maximilian Arnold (VfL-Kapitän): „Wir haben gedacht, wir könnten hier so ein bisschen spielen... Man hat uns von Anfang an angemerkt, dass wir durch sind. Im Endeffekt ist das Ergebnis wirklich ganz egal. Das kann diese überragende Saison überhaupt nicht trüben.“

Spieler in der Einzelkritik

Finn Dahmen: Bayern, Dortmund, nun Wolfsburg. Der U21-Nationalkeeper musste wieder mal gegen ein Topteam ran - und hatte auch diesmal starke Szenen, obwohl er wieder mindestens zwei Gegentore kassierte. Klasse Reflex gegen Weghorst, gut abgetaucht bei Mbabus Kopfball. Bei den Wolfsburger Traumtoren wäre jeder Torhüter der Welt chancenlos gewesen. Note: 2
Jeremiah St. Juste: Spielte in dieser Saison schon wesentlich besser. Wollte zu viel, attackierte zu hoch, musste immer wieder nachjustieren, korrigieren. Beim Wolfsburger 2:2 gelang das nicht mehr. Note: 3,5
Stefan Bell: Krönte seine starke Rückrunde mit seinem ersten Bundesliga-Tor seit 1316 Tagen. Das letzte Mal hatte der Innenverteidiger am 14. Oktober 2017 gegen den HSV getroffen. Lange her. Über weite Strecken verrichtete der 29-Jährige auch in Wolfsburg souverän und zuverlässig seinen Dienst. Beim schwer zu verteidigenden 1:1 kam er einen Minitick zu spät und nicht an Torschütze Maximilian Philipp ran. Note: 2,5
Moussa Niakathé: Ein tadelloser, grundsolider Job des Co-Kapitäns, an dem es nichts zu beanstanden gab. Note: 2,5
Danny da Costa: Dem Außenverteidiger waren die Anstrengungen der Abstiegskampfwochen am deutlichsten anzumerken. Verhalten im Vorwärtsgang und auch in den Zweikämpfen, etwa bei Octavios Flanke zum 1:1-Ausgleich. Ausgewechselt (81.). Note: 4
Leandro Barreiro: Engagiert wie immer. Räumte wie ein Bulldozer den Wolfsburger Brekalo aus dem Weg, sah als Verursacher des Crash seine fünfte Gelbe und musste kurz darauf seinen Arbeitstag wegen einer Leistenverletzung beenden (31.). Note: 3
Dominik Kohr: Lieferte im Mittelfeldzentrum wie gewohnt sein Pensum ab – nicht mehr und auch nicht weniger. Note: 3
Daniel Brosinski: Seine persönliche Fehlerkette sorgte in der ersten Halbzeit für weitgehenden Stillstand auf der linken Seite. Steigerte sich etwas, aber kein Vergleich zur guten Vorwochenleistung. Ausgewechselt. Note: 4
Jean-Paul Boetius: Hatte richtig Bock, das merkte man dem Niederländer. Sprühte vor Spielfreude, kombinierte, spielte feine Pässe, traf im dritten Versuch. Offensiv bisweilen genial, defensiv so lala. Ausgewechselt (81.). Note: 2
Robin Quaison: Sein wahrscheinlich letzter 05-Auftritt war einer der besseren in dieser Saison. Bis zu seiner Auswechslung (71.) der laufstärkste Spieler des Spiels (8,84 km), zudem an beiden Toren beteiligt. Beim 1:0 als Initiator und uneigennütziger Vorlagengeber, beim 2:1 als Abstauber mit Torriecher. Der 31. Erstliga-Treffer des Mainzer Bundesliga-Rekordtorschützen. Note: 2
Karim Onisiwo: Wenn etwas Aufregendes in der ersten Halbzeit passierte, hatte der Österreicher seine Füße im Spiel. Kaum zu bremsender Aktivposten, Vorbereiter für zwei, drei Großchancen, allerdings kein Vollstrecker (immerhin nutzte Quaison den Abstauber). Note: 2,5
Danny Latza: Abschiedsspiel für den Capitano ab Minute 31. Kam für den verletzten Barreiro, beackerte zum letzten Mal das 05-Mittelfeldzentrum. Note: 3,5
Adam Szalai: Warf sich ab Minute 71 mit vollem Körpereinsatz rein. Unauffälliger Kurzeinsatz ohne Torchance. Note: 0
Edimilson Fernandes: Auffälligster Kurzeinsatz des Schweizers in dieser Saison. Holte sich in seinen 19 Minuten einen Scorerpunkt (Eckball-Assist zum 3:2) und verballerte eine Doppelchance (87.). Note: 0
Levin Öztunali: Abschiedsvorstellung ab Minute 81. Spielt ab Sommer dann Conference League mit Union Berlin. Note: 0
Philipp Mwene: Durfte vor seinem Abschied auch noch mal ab der 81. Minute ran. Note: 0

Mannschaftsfoto Saison 2020/2021