05ER drehen Partie und gewinnen packendes Duell beim 1. FC Köln nach wilder Achterbahnfahrt der Gefühle

Zum Abschluss des 28. Spieltags haben sich der 1. FC Köln und der FSV im Kampf um den Klassenerhalt einen packenden Abnutzungskampf mit reichlich Unterhaltungswert geliefert - mit dem glücklicheren Ende für die Gäste, die Eigengewächs Leandro Barreiro in der Nachspielzeit zum 3:2 (1:1)-Auswrätssieg schoss. Die Mainzer Führung aus der Anfangsphase hatten die Gastgeber mit den Treffern von Ondrej Duda und Ellyes Skhiri kurz vor und nach der Pause gekontert, während Karim Onisiwo nach 65 Minuten und einem feinen Spielzug den Ausgleich besorgte und so den Weg ebnete für Barreiros späten Schuss ins Glück.

"Geil, einfach nur geil", sagte der Siegtorschütze unmittelbar nach dem Schlusspfiff. "Ich habe den Ball eigentlich nicht so gut angenommen, aber ich konnte ihn nur dahin schießen, anders war es nicht möglich. Man träumt immer vom Siegtor in letzter Minute, geil. Es sind wichtige drei Punkte", so das am Bruchweg ausgebildete Eigengewächs.

Zwei Veränderungen hatte Bo Svensson gegenüber dem Remis gegen Arminia Bielefeld vorgenommen: Für Daniel Brosinski (muskuläre Probleme) kehrte Danny da Costa in die 05-Startelf zurück, während Karim Onisiwo den Vorzug gegenüber Robert Glatzel erhielt. Die altbekannte Grundordnung behielt der Cheftrainer bei und schickte seine Elf auch in Köln in einer 5-3-2-Grundordnung auf den Rasen.

Zum ersten Abschluss der Partie kamen die Gastgeber früh, als ein Volleyversuch von Duda über dem Mainzer Gehäuse landete (2. Spielminute). Wirklich gefährlich war das nicht, und auch in der Folge glich das Geschehen in dieser Anfangsphase mehr einem Abtasten denn einem Offensivfeuerwerk. Die Gäste warteten ab, überließen den Kölnern die Spielkontrolle, stachen aber immer wieder situativ zu - und profitierten wenig später von einer solchen Aktion. Nach einem Effzeh-Einwurf in der eigenen Hälfte eroberten die 05ER das Leder. Über Onisiwo, da Costa, Jonny Burkardt und Leandro Barreiro landete der Ball bei Boëtius, der aus 17 Metern technisch stark - und mit Hilfe der Unterkante der Latte - zur Führung vollendete (11.). Die Kölner mussten sich kurz schütteln und kamen ihrerseits knapp zehn Minuten später zur ersten echten Chance der Begegnung, als Sebastian Andersson nach einem weiten Ball nicht lange fackelte, aus der Drehung ab- und nur knapp verzog (19.). Noch näher kam der Schwede dem Ausgleich keine 60 Sekunden später, als das Mainzer Defensivzentrum erneut nicht auf der Höhe war. Der lange verletzte Torjäger brauchte zum Glück für die Gäste etwas zu lange, den Ball zu kontrollieren und setzte es schließlich, von Moussa Niakhaté noch leicht behindert, knapp neben den rechten Pfosten (20.). Der FSV geriet in dieser Phase gehörig unter Druck und machte defensiv immer wieder einen unsicheren Eindruck, wenn auch die Gastgeber sich zunächst keine weiteren nennenswerten Gelegenheiten erspielen konnten.

In der 33. Minute fiel vielmehr beinahe - erneut aus dem Nichts - der zweite Gäste-Treffer. Stefan Bell hatte per Kopf abgelegt auf Innenverteidiger-Kollege Niakhaté, der aus zehn Metern an einem klasse Reflex des Kölner Torhüters Timo Horn scheiterte. Als alles auf die knappe Führung zur Pause hinzudeuten schien, landete ein Schuss von Kingsley Ehizibue vier Minuten vor der Pause aus kurzer Distanz an der Hand von Phillipp Mwene, Schiedsrichter Felix Brych ließ zunächst weiterlaufen, entschied aber wenig später nach Sichtung des Videobeweises auf Strafstoß für Köln. Duda übernahm die Verantwortung und überwand Robin Zentner, der die Ecke gehahnt hatte und das Leder auf dem nassen Rasen mit den Fingerspitzen touchiert hatte, mit viel Glück zum zu diesem Zeitpunkt durchaus verdienten Ausgleich (43.). Die Gäste waren um eine schnelle Antwort bemüht und fanden sie auch prompt: Nach einer Flanke von Mwene landete der abgefälschte Ball vor den Füßen Barreiros, der aus kurzer Distanz ebenfalls an Horn scheiterte (45.), der so das 1:1 beim Gang in die Katakomben festhielt.

Onisiwo & Barreiro schlagen eiskalt zurück

Svensson schickte sein Team unverändert zurück auf den Rasen, war in der 55. Minute dann aber doch erstmals zum Reagieren gezwungen. Burkardt hatte im Kölner Strafraum den Ellenbogen von Jorge Meré ins Gesicht bekommen, war benommen liegen geblieben und wurde durch Ádám Szalai ersetzt. Wenig später dann Glück für die Rheinhessen, als Zentner nach einem Kopfball von Marius Wolf glänzend reagierte und den Ball an den Querbalken lenken konnte (58.). Bei der nächsten Gelegenheit der Gastgeber war dann allerdings auch die Nummer eins machtlos: Ein Freistoß von Jonas Hector segelte durch den Fünfmeterraum und Skhiri bedankte sich am zweiten Pfosten per Kopf - 1:2 aus 05-Sicht (61.). Es war ein Rückschlag, von dem sich der FSV erstaunlich schnell erholen sollte. Initiiert von Mwene tauchte Boëtius frei auf dem linken Flügel auf, flankte flach und scharf nach innen, wo Onisiwo das Leder aus fünf Metern über die Linie drückte. Es war nun mächtig Feuer drin in einem spannenden und gleichfalls ansehnlichen Duell im Tabellenkeller. Nach 69 Minuten bot sich Szalai die Chance, doch seine Direktabnahme wurde zur Ecke geklärt.

Mit dem Remis ging es auch in die Schlussphase der packenden Auseinandersetzung. Und zwölf Minuten vor dem Ende durften die 05ER zunächst durchatmen, als ein von Barreiro abgefälschter Schuss von Jannes Horn nur am Außennetz landete (78.). Kurz darauf reagierte der 05-Cheftrainer erneut und brachte Robin Quaison und Danny Latza für die beiden Torschützen (79.). Viel tat sich allerdings nicht mehr auf beiden Seiten, weil kein Team bereit schien, das absolute Risiko zu suchen und so den Punkt zu riskieren. Doch kurz nachdem Brych die sechsminütige Nachspielzeit angezeigt hatte, schlugen die Gäste dann noch einmal zu. Und wieder ging es über links! Der von Niakhaté auf die Reise geschickte Mwene bewies Übersicht, spielte einen klugen Rückpass auf Barreiro, der sich nicht zweimal bitten ließ und im Stile eines Routiniers zum späten 3:2 vollendete - der zweite Bundesliga-Treffer des Luxemburger Nationalspielers. Es sollte der Schlusspunkt gewesen sein in Köln Müngersdorf am Ende einer denkwürdigen Begegnung, die die Mainzer glücklich, aufgrund der gezeigten Comeback-Qualitäten aber nicht unverdient gewannen. Durch den Sieg bauen die Mainzer den Vorsprung auf den Gegner auf fünf Zähler aus und haben nun nach 28 Spieltagen ebenso viele Zähler auf dem Konto. Am kommenden Sonntagabend (18 Uhr) gastiert Hertha BSC in der OPEL ARENA.

 

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Bo Svensson (05-Trainer): „Wir sind lange noch nicht durch. Wir haben 28 Punkte, es gibt noch sechs Spiele und wir haben noch ein schweres Programm. Da hilft uns so ein mentales Erlebnis wie heute natürlich. Wir werden damit umgehen, wie wir auch schon mit anderen Spielen umgegangen sind und einiges analysieren. Denn es gibt einiges, was wir verbessern können. Die erste Halbzeit hat mir nicht gefallen. So schlecht habe ich uns selten gesehen, wir hatten zu große Abstände, waren zu passiv. Es gab deshalb ein paar deutliche Worte von mir in der Pause. In der zweite Halbzeit waren wir einen Tick besser, vor allem nach dem Führungstor der Kölner.“
Leandro Barreiro (05-Siegtorschütze): „Es ist einfach nur geil. Ich nehme den Ball bei meinem Tor eigentlich nicht so gut an und mache das einzige, was noch möglich ist, nämlich den Ball mit dem Spann zu treffen. Von so einem Tor in der letzten Minute träumt man. Heute war es eigentlich kein gutes Spiel von uns. In der ersten Halbzeit sind wir nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir haben mit der ersten guten Aktion das 1:0 gemacht. In der zweiten Halbzeit sind wir etwas besser reingekommen, haben ein besseres Gefühl gehabt, aber auch nicht das beste Spiel gemacht. Umso geiler ist es, so ein Spiel zu gewinnen. Eine Vorentscheidung im Abstiegskampf war das noch nicht, sondern es waren wichtige drei Punkte. Wichtig ist, dass wir am Sonntag ein besseres Spiel machen und die nächsten drei Punkte holen.“
Jean-Paul Boetius (FSV-Torschütze zum 1:0): „Ich bin eigentlich noch ein bisschen schockiert, weil wir eigentlich nicht gut waren. Das war ein Sechs-Punkte-Spiel und ich bin sehr froh mit dem Dreier. Der Torjubel war das L von Lisa, meiner Freundin. Vielleicht hat uns in der ersten Halbzeit ein bisschen die Kraft gefehlt, denn wir haben unseren Plan vom Anlaufen nicht so hinbekommen und in den Zweikämpfen waren die Kölner vielleicht einen Ticken aggressiver. In der zweiten Halbzeit haben wir das besser gemacht und deswegen stehen wir mit drei Punkte da. Aber wir können noch vieles verbessern.“
Karim Onisiwo (Mainzer Torschütze zum 2:2): „In der ersten Halbzeit war bei uns wenig Ordnung drin. Köln hat uns dominiert, wir haben schwer reingefunden. In der zweiten Halbzeit sind wir mit einer anderen Mentalität rausgegangen und haben die Zweikämpfe gewonnen, die wir in der ersten Halbzeit nicht gewonnen haben. Am Ende haben wir glücklich gewonnen, aber die drei Punkte nehmen wir mit. Wir haben uns in der Mentalität enorm weiterentwickelt, dass wir nach Rückstanden den Turnaround schaffen.“
Martin Schmidt (05-Sportdirektor): „Die erste Halbzeit war enorm schwierig. Der Gegner war präsenter. Wir hatten Mühe, in die Zweikämpfe zu kommen. Sie haben uns auch sehr gut gelesen und haben ihr Spiel so angelegt, dass wir nicht in die Zweikämpfe kommen. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen: Die Ansprache von Bo Svensson hat Wirkung gezeigt. Die Mannschaft war aggressiver, gab nicht klein bei. Und dann nach einem 1:2-Rückstand das Spiel noch zu drehen im Abstiegskampf, das ist große Klasse vom Team.“
Markus Gisdol (Trainer 1. FC Köln): „Es war ein Spiel, das hin und hergeschwankt ist. Wir haben große Chancen vergeben, hatten gefühlt das Spiel im Griff. Dann bekommen wir das 2:2 aus einer Situation, aus der nie ein Tor fallen darf. Und dann spielen wir auf Sieg. Jetzt bist du erst einmal sehr enttäuscht, das ist klar. Aber wir haben noch sechs Spiele. Es ist alles noch im Bereich des Möglichen. Ob ich weiterarbeiten darf, beurteile ich ja nicht. Ich versuche, mit der Mannschaft alles zu geben, aber ich kann meinen Jungs heute keinen Vorwurf machen. Ich rechne jetzt ehrlich gesagt mit gar nichts.“
Jonas Hector (FC-Kapitän): „Wir haben drei Gegentore bekommen, leider nur zwei geschossen. Die Gegentore haben wir nicht gut verteidigt. Die haben wir zu leicht hergegeben. Und in der ein oder anderen Situation müssen wir nach vorne zwingender sein. Natürlich ärgert man sich extrem direkt nach dem Spiel. Aber es geht ja weiter. Ich ärgere mich über das Spiel und denke nicht darüber nach, ob ich im Mai mit dem 1. FC Köln absteige.“

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Note: 2,5
Bei beiden Gegentreffern noch dran, aber geschlagen. Starke Parade bei Kopfball von Marius Wolf (59.).
Jeremiah St. Juste: Note: 2,5
Sah bei einer guten Chance von Sebastian Andersson nicht gut aus (19.), ansonsten defensiv sicher. Hatte einen starken Vorstoß, den er aber mit einem Fehlpass beendete (82.) und eine gute Chance nach einem Eckball (89.).
Stefan Bell: Note: 3,5
Diesmal nicht so souverän wie zuletzt. Verschätzte sich bei Anderssons zweiter Chance (20.) und hatte Glück, dass seine Aktion gegen Ondrej Duda im Strafraum nicht als Foul gewertet wurde.
Moussa Niakhaté: Note: 2,5
Störte entscheidend bei Anderssons zweiter Chance (20.). Scheiterte im Abschluss knapp an Timo Horn (33.). Defensiv wachsam. Super Pass vor dem 3:2.
Danny da Costa: Note: 3,5
Wirkte zeitweise etwas behäbig mit defensiven Problemen. Leitete das 1:0 ein, darüber hinaus aber mit wenigen offensiven Akzenten.
Phillipp Mwene Note: 2
Hatte Pech als Verursacher des Handelfmeters. Leitete dafür stark das 2:2 ein und bereitete das 3:2 vor. In der Arbeit nach hinten nicht fehlerfrei.
Dominik Kohr Note: 2,5
Klärte mehrfach bei brenzligen Situationen und räumte somit wie gewohnt im Zentrum auf.
Leandro Barreiro: Note: 2
Der Matchwinner mit seinem Tor in der Nachspielzeit. Beim 1:0 als Balleroberer und Vorlagengeber entscheidend beteiligt. Auch mit weiteren Balleroberungen. Vergab eine gute Chance (45.). Lässt beim 1:2 Ellyes Shkiri laufen.
Jean-Paul Boetius: Note: 2
Sein starker Abschluss führte zum 1:0, und er bereitete das 2:2 vor –nach vielen schwächeren Leistungen zuvor meldete er sich nun eindrucksvoll zurück. Auch gegen den Ball gut, mit dem Ball aber ab und zu mit falschen Entscheidungen und Ungenauigkeiten.
Karim Onisiwo: Note: 3
Bei allem Einsatz blieb der Stürmer in der ersten Halbzeit ohne bemerkenswerte Aktion. Dann wurde er auffälliger und traf zum 2:2.
Jonathan Burkardt Note: 3,5
Gut mit Balleroberungen aber offensiv kaum im Spiel. Musste nach einem Zusammenprall mit Jorge Mere verletzt ausgewechselt werden, stand beim Abpfiff aber schon wieder an der Auslinie bereit.
Adam Szalai: Note: 4
(ab 55. für Burkardt) Erneut unglücklich in seiner Spielweise. Ein Abschluss wurde abgefälscht, setzte sich kaum einmal durch.
Danny Latza<:> Note: 0
(ab 79. für Boetius) Zeigte sich mit einem gut getretenen Eckball.
Robin Quaison: Note: 0
(ab 79. für Onisiwo) Der Torjäger blieb nach seiner Auswechslung ohne Szene.
Alexander Hack: Note: 0
(ab 90.+7 für Barreiro). Der Innenverteidiger half, die letzten Sekunden zu überstehen.
Im Kader: Finn Dahmen, Levin Öztunali, Kunde Malong, Kevin Stöger, Robert Glatzel.

Mannschaftsfoto Saison 2020/2021