Mateta-Doppelpack reicht nicht: Gladbach entführt drei Zähler aus der OPEL ARENA und sorgt für die fünfte Saisonniederlage

Zwei Mateta-Treffer vor der Pause, eine erneute Leistungssteigerung und gleich mehrere Gelegenheiten, nach Wiederbeginn auf eine Zwei-Tore-Führung zu stellen haben dem 1. FSV Mainz 05 am Samstagnachmittag nicht gereicht, um erstmals in dieser Saison Zählbares einzufahren. Die 2:1-Halbzeitführung der 05ER drehte Borussia Mönchengladbach in Durchgang zwei und nimmt drei Punkte aus der OPEL ARENA mit nach Hause. Das unglückliche 2:3 (2:1) bedeutet für die Mainzer die dritte Heimniederlage im dritten Anlauf der Saison. Die Treffer für die Gäste erzielten Lars Stindl, Jonas Hofmann und Matthias Ginter.

Jan-Moritz Lichte hatte gegenüber der knappen Niederlage gegen Leverkusen eine Veränderung vorgenommen und Robin Quaison den Vorzug vor Jonathan Burkardt geschenkt. Zudem fehlte Karim Onisiwo angeschlagen im Kader, so dass Kevin Stöger zu seiner ersten Nominierung, aber letztlich noch nicht zum Einsatz kam.

Die 05ER kamen nach gut 60 Sekunden zu ihrer ersten Gelegenheit, als ein Steckpass von Jean-Paul Boëtius Quaison etwas unverhofft wenige Meter vor dem Tor erreichte, wo der überraschte Schwede sechs Meter vor dem Tor noch entscheidend von Nico Elvedi gestört wurde (2.). Es sollte der Auftakt guter Anfangsminuten gewesen sein, in denen die 05ER wie ein Heimteam auftraten, kämpften und gleichfalls gefällige Kombinationen zeigten. Nach einer solchen kam der FSV auch zu seiner nächsten Gelegenheit, als Jeremiah St. Juste es von der Strafraumgrenze versuchte, Yann Sommer aber parieren konnte (6.). Auf der gegenüberliegenden Seite prüfte wenig später Patrick Herrmann Robin Zentner, der jedoch ebenso auf der Hut war (7.). Und obwohl die Mainzer auch anschließend das zunächst das aktivere Team waren, mussten sie nach einer Viertelstunde einen bitteren Rückschlag einstecken. Stefan Lainer hatte von rechts Zeit zu flanken, in der Mitte legte Breel Embolo per Kopf ab für Kapitän Stindl, der Zentner aus sechs Metern nicht den Hauch einer Chance ließ (15.). Bitter, aber die Gastgeber blieben dran und drängten weiter auf ihren ersten Treffer. Erzielen können hätte ihn bereits vier Minuten nach dem Rückstand Boëtius, der nach feinem Pass von Quaison in die Gasse frei vor Sommer auftauchte, der jedoch die richtige Ecke geahnt hatte und die Großchance vereitelte (19.). Chancenlos war vier Minuten später dann aber auch der Schweizer Nationalkeeper, als eine weitere gelungene Offensivaktion zum Ausgleich führen sollte: Latza spielte Quaison frei, der das Leder gefühlvoll an den Pfosten setzte, Mateta brauchte nur noch abzustauben – 1:1 (23.).

Es hatte sich hier nach einer knappen halben Stunde eine ansehnliche Partie entwickelt in der OPEL ARENA, mit Mainzern auf Augenhöhe mit immer gefährlichen Gästen. In der 31. Minute kam es aus dem Nichts zur nächsten Gelegenheit für die Fohlen. Nach einem langen Ball zog Herrmann volley ab und setzte das Leder auf den Querbalken. Doch die 05ER spielten ihrerseits weiter nach vorne und erzielten wenig später die nicht unverdiente Führung. Nach einem Ball von Sommer auf die rechte Mainzer Angriffsseite störte der FSV früh und Levin Öztunali kam an den Ball. Mateta nahm dessen Flanke in der Mitte mit der Brust an, legte sich den Ball noch einmal vor und zog aus der Drehung ab – ein Doppelpack in Torjägermanier (36.). Weil Zentner unmittelbar vor dem Pausenpfiff noch einmal glänzend gegen Herrmann reagierte (45.), ging es mit dieser knappen Führung aus 05-Sicht in die Pause.

Öztunali scheitert an Sommer - ein Ex-Mainzer bringt die Wende

Nach Wiederbeginn – beide Teams waren unverändert aus den Katakomben gekommen – erwischten die Gäste den besseren Start und verpassten den Ausgleich in der 51. Minute gleich zweimal nur knapp: Zunächst reagierte Zentner nach einem Herrmann-Schlenzer stark, beim Rebound von Embolo klärte schließlich Moussa Niakhaté auf der Linie – Glück für den FSV! Auf der anderen Seite versuchte es eine Minute später Quaison, bereitete Sommer aus 14 Metern aber keine Probleme (52.). Und auch die nächste Gelegenheit sollte den Rot-Weißen gehören und es in sich haben. Ein klasse Chipball von Kunde erreichte Öztunali, der jedoch aus kurzer Distanz an Sommer scheiterte (57.). Die Partie blieb weiter offen, weitere große Gelegenheiten ergaben sich zunächst auf beiden Seiten nicht. Die Gladbacher wechselten früh und brachten nach einer knappen Stunde auch die beiden Torjäger Alassane Plea und Marcus Thuram, doch die 05-Defensive präsentierte sich lange sattelfest, die Offensive war zudem weiter um Nadelstiche bemüht. In der 68. Minute versuchte es der soeben eingewechselte Burkardt, zielte jedoch zu ungenau, wobei ein Querpass auf Edimilson Fernandes wohl die bessere Entscheidung gewesen wäre. Für die Gladbacher versuchte es eine Minute später Lainer, dessen abgefälschter Schuss auf dem Tornetz landete (69.).

Was sich mit Anbruch der Schlussphase keinesfalls angedeutet hatte, geschah dann dennoch: Nach einem Fehlpass von Niakhaté im Spielaufbau spielten die Gäste schnell nach vorne, Thuram schoss dem zurückgeeilten Franzosen den Ball an den Arm und Schiedsrichter Frank Willenborg deutete auf den Punkt. Der Ex-05ER Hofmann ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und verwandelte aus elf Metern sicher zum Ausgleich (76.). Die Partie war wieder offen. Und die Gäste legten nach. Sieben Minuten vor dem Ende erreicte eine Hofmann-Ecke Nationalspieler Ginter am kurzen Pfosten, der das Leder neben den rechten Torposten zum 2:3 aus 05-Sicht verlängert. Eine bittere Wendung in dieser Partie, in der der FSV über weite Strecken einen guten Auftritt gezeigt, es aber verpasst hatte, die knappe Führung auszubauen. Dieser Stachel saß tief und so verhinderte Zentner in Minute 87 gegen Plea und Lainer gar ein 2:4. Die 05ER kamen nicht mehr zurück in die Partie und haben durch das 2:3 auch nach fünf Partien keine Zähler auf dem Konto. Am kommenden Wochenende ist das Lichte-Team beim FC Augsburg gefordert.

 

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Robin Quaison (05-Angreifer): „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Es ist ein hartes Gefühl, mit null Punkten nach Hause zu gehen. Wir waren sehr lange gut im Spiel. Wir sind nach dem 0:1 gut zurückgekommen. Es ist schwer Worte zu finden. So einen Elfmeter zu bekommen, ist ärgerlich. Der Ball kommt aus kurzer Distanz, was soll Moussa machen? Wir haben in in ähnlicher Situation keinen Strafstoß bekommen, das hätten sich die Schiedsrichter auch länger anschauen können. Wir machen Schritte nach vorne. Letzte Woche haben wir gut gespielt, keine Punkte geholt. Diesmal haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht. Leider war es heute nicht genug.“
Daniel Brosinski (Mainzer Linksverteidiger): „Wir haben alles gegeben, alles rausgehauen. So muss Mainz 05 auftreten. Es ist ärgerlich, dass wir dann durch Standardsituationen das Spiel hergeben. Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Die Enttäuschung ist sehr groß: Fünf Spiele, null Punkte - das sagt eigentlich alles. Nächste Woche in Augsburg wird es wieder ein Kampfspiel. Das wird uns wieder nichts geschenkt. Wir müssen die Gegentorzahl minimieren und nach Standards natürlich wacher sein.“
Robin Zentner (05-Torwart): „Wir haben auf jeden Fall über weite Strecken ein sehr ordentliches Spiel gemacht, gehen mit einer Führung in die Pause. Wir schaffen es dann aber nicht, den Druck aufrechtzuerhalten. Wenn du dann das 2:2 und 2:3 nach Standards bekommst, geht natürlich der Kopf los. Aber daraus müssen wir lernen, müssen 90 Minuten konzentriert sein. Aus dem Spiel heraus haben wir es gut gemacht. Gerade das Eckball-Tor ist zu verteidigen, das nervt natürlich. Wir haben es gegen Leverkusen defensiv gut gemacht. Drei Gegentore, da kann man das nicht sagen. Aber Gladbach hat eine hohe Qualität. Offensiv haben wir es gut gemacht. Mit etwas Glück macht Levin Öztunali das 3:1. Aber das darf uns nicht frustrieren. Wir haben gezeigt, dass wir gegen hochklassige Gegner dominieren können. Das muss uns Mut geben.“
Jan-Moritz Lichte (05-Trainer): „Direkt nach dem Spiel ist erstmal eine Wut da. Wir werden das Spiel aber genauso analysieren wie die anderen. Es bringt uns im Hinblick auf das nächste Spiel wieder mehr Informationen über uns. Es hat viel funktioniert. Wir haben uns vorgenommen, konsequenter nach vorne zu spielen. Natürlich haben wir aber auch etliche Chancen zugelassen. Nach dem 2:2 hatte ich das Gefühl, die Köpfe gehen runter und die Angst beginnt, wir können das Spiel noch verlieren. Es ist in den Kopf zu bekommen, dass man dann trotzdem das Spiel noch gewinnen kann, ist natürlich in dieser Phase nicht so einfach.“
Rouven Schröder (FSV-Sportvorstand): „Es war eine gute Leistung von uns. Wir haben sehr gut reingefunden, uns nach und nach rangetastet. Nach dem ärgerlichen 0:1 haben wir mutig weitergespielt, sind folgerichtig und verdient 2:1 in Führung gegangen. Wir haben das Gefühl entwickelt, das Spiel gehört uns. Wir haben aber leider verpasst, das 3:1 zu machen. Durch einen unnötigen Ballverlust kriegen wir dann den Elfmeter und das 2:2. Dann war die Enttäuschung etwas zu spüren. Die Standardsituation war bitter. Aber: Die Spieltage 4 und 5 zeigen uns, dass wir absolut konkurrenzfähig sind. Wir lassen und nicht runterziehen vom Tabellenstand, wir sind kämpferisch. Wir haben noch 29 Spiele und werden alles dafür tun, bald zu punkten. Jeder, der Mainz 05 in seinem Herzen trägt, hat gesehen, dass wir alles dafür geben. Die Jungs sind eng beieinander, haben gezeigt, dass sie nicht nur kämpfen, sondern auch richtig gut Fußball spielen können. In Mainz wird nicht aufgegeben.“
Marco Rose (Cheftrainer Mönchengladbach): „Das war ein wichtiges Bundesliga-Spiel für uns. Wir wussten, was an Kampf und Spielstärke auf uns zukommt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es heute bei uns ein Einstellungs-Thema war. Ich war zehn Jahre hier in Mainz, hatte die schönste Zeit als Fußballer. Ich habe eine großartige Phase hier erlebt. Der Verein und die Stadt Mainz liegen mir sehr am Herzen. Ich wünsche Mainz 05 alles Gute und hoffe, dass sie gestärkt aus so einer schweren Situation herauskommen.“

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Note: 2
Die Rettungstaten in der 45. (gegen Patrick Herrmann) und 51. Minute (gegen Oscar Wendt und Breel Embolo) – herausragend. Seine Zuspiele – drei Mal katastrophal. Bei den Gegentreffern war der Torwart machtlos.

Jeremiah St. Juste: Note: 3,5
Zweiter Einsatz als Rechtsverteidiger. Der Niederländer hatte in Extra-Schichten an der Vorwärtsbewegung gearbeitet, suchte diesmal mehr den Weg zum Tor. Sein Schüsschen in der 7. Minute verpuffte, nach seinem starken Solo in der 74. Minute hätte er selbst abschließen müssen. Dicker Minuspunkt: Beim 2:3 zu weit von Matthias Ginter weg.
Luca Kilian: Note: 4
Nach dem guten Debüt gegen Leverkusen diesmal mit einigen Fehlern. Einer davon wurde bitter bestraft: Vor dem 0:1 orientierte er sich zum bereits gedeckten Breel Embolo, ließ Torschütze Lars Stindl gewähren. Verdiente sich allerdings auch ein Offensiv-Lob: Für seinen wuchtigen Kopfball in der 23. Minute – Sekunden später fiel das 1:1.
Moussa Niakhaté: Note: 4
Wieder einmal Pechvogel: Vergrößerte beim Schuss von Marcus Thuram seine Körperfläche mit dem Arm, verschuldete so den Strafstoß, der zum 2:2 führte. Der Innenverteidiger gehört ansonsten zu den leidenschaftlichsten 05ern, setzte wirkungsvoll seinen wuchtigen Körper ein. Manchmal agiert er aber eben einen Tick zu übermotiviert.
Daniel Brosinski: Note: 4
Der Routinier mühte sich, versuchte sich immer wieder in Offensivaktionen einzuschalten. Die ganz großen Impulse konnte der Linksverteidiger aber nicht setzen.
Danny Latza: Note: 2,5
Ging voran, war in der Regel mittendrin. Dirigierte viel. Der Kapitän legt weiter zu, leitete mit seinem Steilpass den Ausgleich ein. Seine Balleroberung in der 63. Minute, das anschließende Tempo – davon darf er gerne noch mehr zeigen. Wich aus taktischen Gründen für Stürmer Dong-won Ji (80.).
Kunde Malong: Note: 3
Viel, viel besser als zuletzt. Der Sechser kommt nach seiner Corona-Infektion immer besser in Fahrt. Schöner Chipball in der 57. Minute, den Levin Öztunali nicht verwerten konnte. Taucht aber noch zu oft unter. Machte in der 64. Minute für Leandro Barreiro Platz.
Levin Öztunali: Note: 4
Licht und Schatten – wie so oft. Seine Flanke nutzte Jean-Philippe Mateta zum 2:1. In der 57. Minute hatte der Flügelstürmer die Riesenchance zum 3:1, scheiterte aber an Borussia-Keeper Yann Sommer. In der 64. Minute für Edimilson Fernandes ausgewechselt.
Jean-Paul Boetius: Note: 3,5
Der Niederländer legte wieder die meisten Kilometer (12,23) zurück, die letzten paar Prozent fehlten aber bei den meisten Aktionen. Vergab in der 19. Minute eine erstklassige Gelegenheit zu leichtfertig. Dennoch: Er kann den 05ern weiterhelfen.
Robin Quaison: Note: 2,5
Zurück in der Startelf war der Schwede an den meisten gefährlichen Szenen beteiligt. Perfekte Bewegung nach dem Latza-Pass, seinen Pfostentreffer vollendete JP Mateta. Die Formkurve zeigt nach oben. In der 67. Minute übernahm Jonathan Burkardt.
JP Mateta: Note: 2
Doppelpack für den Franzosen. Der Angreifer zeigte endlich mal wieder die überragenden Goalgetter-Qualitäten, die für die 05er so überlebenswichtig sind. Beim 1:1 erahnte er regelrecht den richtigen Laufweg, staubte ab, beim 2:1 legte er sich den Ball mit zwei Kontakten selbst zurecht. Jetzt muss er dranbleiben.
Edimilson Fernandes: Note: 0
Das altbekannte Bild: Der 24-Jährige kommt als Joker, schafft es in der Kürze der Zeit dann nicht, für sich Werbung zu machen. Diesmal ab der 64. Minute für Öztunali, konnte auf der ungewohnten Außenposition keine Akzente setzen.
Leandro Barreiro: Note: 0
Der junge Luxemburger durfte ab der 64. Minute für Kunde ran. Der so hoch veranlagte 20-Jährige findet derzeit aber nicht so richtig die Bindung zum Spiel.
Jonathan Burkardt: Note: 0
Der Youngster, ab der 67. Minute für Quaison im Spiel, packte direkt beherzt zu, suchte einen Abschluss, der drüber ging (69.). Der 20-Jährige lief unermüdlich an, brachte die abgezockten Gladbacher aber nicht mehr in Verlegenheit.
Dong-won Ji: Note: 0
Der Südkoreaner kam in der 80. Minute für Latza, konnte sich nicht mehr in Szene setzen.
Im Kader: Dahmen, Stöger, Mwene, Nebel, Hack.

Die fünfte Niederlage im fünften Saisonspiel hat in der OPEL ARENA eine neue Gefühlslage entstehen lassen. "Wir sind kämpferisch und verlieren nicht den Glauben. In Mainz wird nie aufgegeben", betonte der Sportvorstand. Auch der 05-Cheftrainer verspürte nach diesen 90 Minuten die Enttäuschung. Doch auch bei Jan-Moritz Lichte entstand daraus keine Frustration, sondern Zorn und Trotz. "Wir sind vor allen Dingen wütend", erklärte der 40-Jährige. "Darüber, dass es so ausgegangen ist, dass wir uns nicht belohnt haben, dass wir die Situationen, die wir hatten, nicht entscheidend genutzt haben. Dass wir eine Elfmetersituation bekommen, die man nach meinem Gefühl auch anders entscheiden hätte können."

Folgenschwerer Fehlpass

Im Endeffekt waren es einige Punkte, über die sich Trainer und Mannschaft im Nachhinein ärgern können. Über den Gladbacher Führungstreffer, bei dem es die Abwehr dem Torschützen Lars Stindl zu leicht machte. Oder darüber, dass der Handelfmeter, der zum 2:2 für die Gäste führte, hätte vermieden werden  können, wenn Moussa Niakhaté zuvor nicht den Fehlpass in die Mitte gespielt und damit den folgenschweren Umschaltangriff eingeleitet hätte, bei dessen Rettungsversuch dem Innenverteidiger dann der Ball an den Oberarm gesprungen war. Vor allem aber über die zahlreichen aussichtsreichen Offensivaktionen, die das Spiel hätten entscheiden können zugunsten der Mainzer.

Natürlich musste Robin Zentner hinten auch einige Male in überragender Manier retten, aber neben den beiden Treffern von Jean-Philippe Mateta, der den Rückstand in eine 2:1-Führung umdrehte, waren es diese Aktionen von Jean-Paul Boëtius, Robin Quaison, der zweimal durch, im Abschluss dann aber zu drucklos war. Oder die von Levin Öztunali und Jonathan Burkard, in denen mehr drin war. Der erfolgreiche Abschluss einer dieser Szenen hätte die Mainzer Führung auf 3:1 ausbauen können und die Wahrscheinlichkeit gemindert, dass die Gladbacher, trotz Marco Roses Umstellen von Dreier- auf Viererkette sowie dem Einwechseln von sehr viel Qualität und Wucht in der Offensive, noch einmal zurückgekommen wären.

Stattdessen glich die Borussia aus und entschied die Partie sogar noch mit einem Kopfball nach einer Ecke. "Wir müssen ein, zwei Fehler weniger machen, aber wenn du unten stehst, wirst du auch brutal bestraft", kommentierte Schröder die entscheidenden Momente. "Es war eine gute Leistung der Mannschaft. Sie hat sich mit einer guten Einstellung viele fußballerische Dinge erarbeitet, erfrischend und mutig gespielt. Nach dem 2:2 war es dann Kopfkino." Die Angst vor dem Verlieren führte in die Niederlage.

Wir sind nah dran

Auch Lichte registrierte nach dem unglücklichen Elfmeter-Tor, wie seine Spieler die Köpfe hängen ließen. "Daran müssen wir weiterhin arbeiten. Wir hatten immer noch die Chance, das Spiel zu gewinnen, und wir mussten es nicht verlieren. Das im Kopf hinzubekommen, ist in unserer Situation sicher schwerer als wenn man viele erfolgreiche Spiele hinter sich hat. Wir wollen uns jedoch wehren, wir müssen uns wehren. Es wird uns nichts geschenkt. Auch Gladbach hat heute sehr viel investieren müssen."

Der 05-Trainer sagte, aus der Partie lasse sich erneut eine Menge Information über seine Mannschaft ziehen. "Die Spieler müssen auch selbst in ihre Köpfe kommen und auch aus einem solchen Spiel Energie herausziehen. So frustrierend es ist, zu sehen: Wir sind nah dran, wir erarbeiten es uns, unsere Spiele werden jedesmal besser. Wir investieren und investieren und irgendwann wird es für uns anders ausgehen. Wir brauche die Energie zu sagen, wir schaffen es beim nächsten Mal." Das wäre dann das Auswärtsspiel am kommenden Samstag beim FC Augsburg.

Mannschaftsfoto Saison 2020/2021