05er fahren ersten Auswärtssieg seit 25. Februar 2017 ein - starker Quaison Matchwinner

Dem Team des 1. FSV Mainz 05 gelang dank eines durchweg couragierten Auftritts der langersehnte Auswärts-Dreier bei blassen Berlinern. Die 05 er wussten durch konsequentes Zweikampfverhalten und deutlich mehr Druck auf den Gegner, vor allem im Mittelfeld, zu gefallen und zogen die richtigen Schlüsse aus der Niederlage in Hoffenheim. Die im Vergleich zur Vorwoche deutliche aggressiver auftretenden Mannschaft von Sandro Schwarz erarbeitete sich ein deutliches Chancenplus und verließ nach intensiven 90. Minuten völlig verdient als Sieger den Rasen des Berliner Olympiastadions.

Trainer Sandro Schwarz hatte seine Startelf im Vergleich zur Auswärtsniederlage in Hoffenheim am vergangenen Wochenende auf einigen Positionen geändert. Für den Abdou Diallo, der sich im Spiel gegen die TSG die fünfte Gelbe Karte eingehandelt hatte, kehrte Stefan Bell in die defensive Dreierreihe zurück. Suat Serdar wurde an Stelle von Nigel De Jong im Mittelfeld aufgeboten und außen ersetzte Gerrit Holtmann Daniel Bronsinki. Robin Quaison bildete mit Emil Berggreen das Offensivduo.

In den ersten zehn Spielminuten hatte die Gastgeber etwas mehr vom Spiel. Außer einigen aufeinanderfolgenden Ecken, die letztlich nichts einbrachten, waren die Angriffe der Herthaner aber wenig zwingend. Insgesamt sahen die 30.908 Zuschauer, von denen etwa 500 aus Mainz mitgereist waren, zunächst wenig strukturiert vorgetragene Aktionen auf beiden Seiten.

Das erste Mal richtig gefährlich wurde es dann aber vor dem Berliner Kasten: Bell schickte Berggreen, der aus halblinker Position (14.) im Strafraum abzog. Mit viel Glück lenkte Jarstein lenkt den Ball unfreiwillig mit dem Kopf über die Querlatte. Die nachfolgende Ecke von links brachte nichts ein. Auch die nächste Strafraumszene gehört den Mainzern. Quaison verlängerte per Kopf eine Flanke auf den zweiten Pfosten, wo Stefan Bell, ebenfalls per Kopf, nicht genug Druck hinter den Ball bekam (20.). Kurz zuvor waren die Hausherren gezwungen Vedad Ibisevic verletzungsbedingt auszuwechseln. Selke erstetzte ihn (17.).

In der 23. Minute legten die 05er mit der nächsten gefährlichen Gelegenheit nach. Torunarigha  verschätzte sich bei einem langen Ball von Latza. Quaison versuchte das Spielgerät anschließend mit dem Kopf über den weit vor dem eigenen Kasten positionierten Jarstein zu köpfen. Mit einiger Mühe gelang es diesem aber noch den Ball um den linken Pfosten zu lenken.

Während dieser Spielphase gelangen den Gastgebern lediglich einige Konterversuche. Nach Fehler im Mainzer Spielaufbau kam Selke, nach einer gefährlichen Flanke von rechts, aussichtsreich zum Kopfball, setzte den Ball aber über die Latte des Mainzer Gehäuses (27.).

Zwei Minuten später konnte sich Holtmann über rechts durchsetzen und flankte scharf nach innen. Der an einem Berliner Abwehrbein abgefälschte Ball strich knapp am linken Knick von Jarsteins Tor vorbei (29.). Bells Kopfball nach der anschließenden Ecke segelte dann am langen Pfosten vorbei.

Wirklich gefährlich wurden die Berliner auch danach nicht. Ein Berliner Freistoß aus 25 Metern landete in der Mauer. (33.) Insgesamt hatten die Mainzer in der ersten halben Stunde, sowohl bei Laufleitung als auch Zweikampfquote die Nase leicht vorn. Den Hausherren gelang es nun Tempo aufzunehmen, und direkt wurde es gefährlich. Der mitgelaufene Balogun konnte jedoch im letzten Moment vor Lazaro klären (39.).

Letztlich klingelte es dann aber doch noch vor der Pause im Kasten der Berliner. Nach starkem Solo zog Quaison trocken von der Strafraumgrenze ab und netzte sehenswert ein (40.). Fast im Gegenzug kam dann noch einmal Selke gefährlich zum Abschluss. Ein weiter Ball wurde von der Mainzer Abwehr unterlaufen, Selke konnte ihn aber nicht im Kasten von Robin Zentner unterbringen (42.). Mit einer, aufgrund der deutlich besseren Torchancen verdienten Führung, ging es danach in die Halbzeit.

Ohne personelle Veränderungen startete die zweite Halbzeit. Die erste gefährliche Aktion gehörte auch hier wieder den 05ern. Nach langem Ball aus der eigenen Hälfte zog Quaison aus gut 18 Metern ab, zielte aber etwas zu hoch (51.). Immer wieder gelang es den 05ern nun zu guten Abschlüssen zu kommen. Nach einem mit viel Tempo vorgetragenen Angriff kam Latza aus der Distanz zum Schuß. Jarstein konnte den Distanzkracher jedoch mit Mühe parieren. Konsequent agierende 05er kamen danach dann folgerichtig in der 65. Minute zu ihrem nächsten Treffer. Nach Traumpass von Gbamin aus dem Mittelfeld in den Lauf von Quaison, schnürte dieser eiskalt seinen ersten Doppelpack und schob das Spielgerät überlegt aus halblinker Position an Jarstein vorbei ein.

Danach war Schluß für den starken Schweden. Muto ersetzte in in der 68. Minute. Dieser setzte in der 74. Minute sehenswert Gerrit Holtmann in Szene, dem der Ball auf schlechtem Untergrund jedoch so versprang, dass dieser knapp am linken Pfosten vorbeirauschte. Die wenigen Angriffe der Herthaner konnten die Mainzer Defensive durch konsequente Abwehrarbeit entschärfen. Insgesamt ließen die Männer von Sandro Schwarz danach wenig anbrennen. Außer einer Chance von Pekarik bekamen die Gastgeber nichts mehr zustande. In der Schlussphase ersetzten De Blasis (85.) und Ujah (89.) Serdar und Berggreen. Nach vier Minuten Nachspielzeit konnten die 05er dann endlich ihren hochverdienten und langersehnten Auswärtsdreier einfahren.

Spieldaten

Aufstellung

Hertha BSC

Aufstellung:

Jarstein (22), Pekarík (2), Plattenhardt (21), Stark (5), Torunarigha (25), Kalou (8), Lustenberger (28), Darida (6), Lazaro (20), Skjelbred (3), Ibisevic (19)

Einwechslungen:

16. Selke für Ibisevic
56. Weiser für Skjelbred
73. Leckie für Kalou

Reservebank:

Dárdai (32), Kraft (1), Esswein (7), Leckie (11), Weiser (23), Selke (27), Mittelstädt (17)

Trainer:

Pál Dárdai

 

1. FSV Mainz 05

Aufstellung:

Zentner (27), Balogun (3), Bell (16), Hack (42), Serdar (23), Donati (2), Holtmann (38), Latza (6), Gbamin (25), Berggreen (11), Quaison (7)

Einwechslungen:

68. Muto für Quaison
85. De Blasis für Serdar
89. Ujah für Berggreen

Reservebank:

Brosinski (18), De Blasis (32), Ujah (20), Bungert (26), Müller (22), de Jong (5), Muto (9)

Trainer:

Sandro Schwarz

 

Schiedsrichter:: Petersen (Stuttgart)

Zuschauer:: 30.000

Tore:0:1, 0:2 Quaison (40., 65.)

Gelbe Karten: - ; Balogun, Latza

Stimmen zum Spiel

Sandro Schwarz (05-Trainer): "Wir sind sehr mutig gewesen, weshalb es heute ein hochverdienter Sieg war. Gut gemacht haben wir heute die Arbeit gegen den Ball plus die Umschaltung. Wir hätten schon früher deutlicher in Führung gehen können. So ein Auftritt gibt uns ein gutes Gefühl. Gerade nach dem Frankfurt-Spiel war es eine schwierige Phase.“

Pal Dardai (Hertha-Trainer): „Gegen Leverkusen und nun gegen Mainz waren es zwei verschiedene Spiele. Die erste Halbzeit haben wir komplett verschenkt. Wir haben gesagt, wir müssen voll aggressiv reingehen, aber es hat alles zu lange gedauert. In der zweiten Halbzeit hat der Gegner das clever gemacht. Bei uns wechseln sich gute und schlechte Spiele ab, die Stabilität ist nicht da.“

Robin Quaison (05-Doppeltorschütze): „Wir haben ein sehr wichtiges Spiel gewonnen. Für mich einer der glücklichsten Tage, seit ich in Mainz bin. Ich habe meiner Mannschaft geholfen und bin sehr glücklich. In solchen Situationen muss jeder in der Mannschaft etwas mehr machen. Wir haben die richtige Reaktion gezeigt und bewiesen, dass wir auswärts noch gewinnen können."

Rouven Schröder (05-Sportvorstand): " Die Art und Weise unseres Sieges war beeindruckend. Wir waren von Anfang an sehr konzentriert und haben unsere Nadelstiche gesetzt. Wir haben die wichtigen Zweikämpfe gewonnen und uns mehr und mehr Selbstvertrauen geholt. Das war für uns ein ganz wichtiges Lebenszeichen, aber auch erst der Anfang. Wir wissen das alles richtig einzuschätzen."

Danny Latza (05-Spieler): "Wir sind total erleichtert. Das war auswärts eine richtig lange Durststrecke. Hier gewonnen zu haben, ist auch eine Befreiung für den Kopf. Wir haben eine richtig gute Defensivarbeit gezeigt. Jeder hat für jeden gearbeitet. Wir hatten nicht viel Ballbesitz, aber das in unseren kurzen Phasen mit Ball auch sehr gut gemacht."

Giulio Donati (05-Spieler): "Wir sind sehr, sehr, sehr glücklich. Wir haben hart gearbeitet und uns das heute verdient. Wir haben am Dienstag beim ersten Aufwärmen für das erste Training schon angefangen, das Spiel zu gewinnen. Ich hatte heute Vertrauen in alle meine Mitspieler. Es war wichtig, dass wir in Führung gegangen sind. Die Fans dürfen auch mal sauer sein. Für sie ist vor allem die Einstellung wichtig. Und wenn sie die kritisieren, glaube ich ihnen auch. Die Fans sind einfach zu wichtig für uns, aber wir brauchen sie jede Woche. Das war jetzt ein Sieg - mehr nicht. Nächste Woche geht es weiter."

Stefan Bell (05-Kapitän): "Es fühlt sich gut an. Wir haben defensiv komplett souverän gespielt und Standards gut verteidigt. Das gibt uns allen das Gefühl, dass wir es noch können. Heute waren wir total konzenriert. Eigentlich ist es ja banal, aber die fünf bis acht Kilometer, die uns in den letzten Wochen gefehlt haben, die haben wir heute mal gemacht. Die Versöhnung mit den Fans geht nicht über Nacht. Das ist ein Prozess. Die Unzufriedenheit war berechtigt in den letzten Wochen. Wir wussten, dass wir etwas wieder gut zu machen haben. Das war ein erster Schritt heute."

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Weil seine Vorderleute so gut und konsequent verteidigten, hatte der Torhüter kaum etwas zu tun. Ein ruhiger Arbeitstag. Note: 3.

Giulio Donati: Der Italiener trat endlich wieder griffig, entschlossen und zielstrebig auf. Machte seine rechte Seite dicht. Note: 3.

Stefan Bell:Durfte für den gesperrten Diallo wieder in der Fünferkette ran. In manchen Situationen nicht schnell genug, ordnete die Defensivreihe sonst aber ordentlich. Note: 3.

Leon Balogun: Wuchs in der Innenverteidigung vor allem nach der Pause über sich hinaus. War immer wieder zur Stelle und fand die richtigen Lösungen. Note: 2.

Alexander Hack: Unauffällige und souveräne Vorstellung des Verteidigers. Ohne große Patzer und immer auf der Höhe. Note: 3.

Danny Latza: Das erinnerte doch wieder an den alten Danny Latza. Lauf- und zweikampfstark wie früher putzte er als Teil der Mittelfeldreihe eine Menge aus und stopfte die Löcher. Note: 3.

Suat Serdar: Er biss und lief im Mittelfeld. Genau das, was Trainer Sandro Schwarz von den Abräumern vor der Fünferkette erwartete. Note: 3.

Jean-Philippe Gbamin: Ein ganz starker Auftritt des 05-Lenkers im Mittelfeld. Als Herzstück der drei Dreier hatte er unzählige Balleroberungen und glänzte gegen die physisch starken Berliner mit einer unheimlich hohen körperlichen Präsenz. Kaum ein Herthaner kam an ihm vorbei. Note: 2.

Robin Quaison: Der Mann des Spiels. Schnappte sich als zweite Spitze neben Berggreen immer wieder die Bälle – und verwandelte zwei seiner Chancen eiskalt. Note: 1.

Gerrit Holtmann: Auf der linken Seite kaum zu überwinden. Richtig aggressiv setzte er immer wieder nach und nervte seine Gegenspieler. Hätte seine Leistung in der 74. Minute krönen können, brachte aber den Ball bei seiner Riesenchance nicht im Tor unter. Note: 3.

Emil Berggreen: Wie schon in Hoffenheim sehr aktiv. Die 05er überbrückten das Mittelfeld mit langen Bällen auf den Zielstürmer, der auf Quaison ablegte. Mit seiner Physis und seinen technischen Qualitäten behauptete der Angreifer viele Bälle. Vor der Pause hätte er sogar die Führung erzielen können. So blieb der Stürmer nach seinem Doppelpack am vergangenen Wochenende ohne Torerfolg, leistete jedoch wichtige Dienste für die Mannschaft. Note: 3.

Yoshinori Muto: Der Japaner wurde in der 68. Minute für Quaison eingewechselt. Er machte in der vordersten Linie gewohnt viele Meter, kam jedoch nicht mehr zu großen Möglichkeiten. Note: 0.

Pablo de Blasis: Kam in der 84. Minute für Suat Serdar und rettete den Sieg mit über die Zeit. Note: 0.

Anthony Ujah: Ersetzte in der 89. Minute Berggren. Note: 0.

Mannschaftsfoto Saison 2017/2018

 

Obere Reihe: Walter Notter (Zeugwart), Axel Busenkell (Athletiktrainer), Jonas Grünewald (Athletiktrainer), Stephan Kuhnert (Torwarttrainer), Sandro Schwarz (Cheftrainer), Jan-Moritz-Lichte (Co-Trainer), Michael Falkenmayer (Co-Trainer), Stefan Stüwe (Physiotherapeut), Steffen Tröster (Physiotherapeut), Nico Hölzel (Physiotherapeut)

Mitte-Oben: Dr. Kathrin Stelzer (Ärztin), Dr. Alexander Tamm (Arzt), Viktor Fischer, Fabian Frei, Danny Latza, Gaetan Bussmann, Robin Quaison, Yoshinori Muto, Dr. Philipp Appelmann (Arzt), Dr. Stefan Mattyasovszky (Arzt)

Mitte-Unten: Gerrit Holtmann, Niko Bungert, Stefan Bell, Alexander Hack, Leon Balogun, Kenan Kodro, Aaron Seydel, Emil Berggreen, Karim Onisiwo, Jean-Philippe Gbamin, Suat Serdar

Vordere Reihe: Pablo de Blasis, Jairo Samperio, José Rodriguez, Giulio Donati, Robin Zentner, Jannik Huth, René Adler, Florian Müller, Alexandru Maxim, Marin Sverko, Philipp Klement, Daniel Brosinski

Fehlend: Levin Öztunali (8 – verlängerter Urlaub wegen Nationalmannschaftseinsatz)

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