Der Rekordmeister macht gegen passive Mainzer das halbe Dutzend voll

Einen völlig verkorksten Sonntagabend in München erlebte der 1. FSV Mainz 05 zum Abschluss des 26. Spieltags bei Rekordmeister Bayern München. Mit einer 0:6 (0:3)-Packung wurde der FSV dabei in die nun anstehende Länderspielpause verabschiedet. Die Tore vor der Pause erzielten Robert Lewandowski (3.), James Rodriguez (33.) und Kingsley Coman (39.). Nach der Pause durfte James noch zweimal ran (51., 55.), bevor Alphonso Davies bereits 20 Minuten vor dem Ende der Partie den Endstand markierte.

Drei Umstellungen hatte Sandro Schwarz gegenüber der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach vorgenommen. Beim Rekordmeister begannen Alexander Hack, Karim Onisiwo und Jean-Philippe Mateta für Aarón Martín, Tony Ujah und Robin Quaison.

Das Spiel begann aus 05-Sicht mit einem ganz frühen Nackenschlag: David Alaba hatte auf links zu viel Raum und Zeit zum Flanken, Lewandowski am kurzen Pfosten keinen Gegenspieler und so keine Mühe den Ball aus kurzer Distanz zu verwerten. Florian Müller im Tor des FSV war auch deswegen chancenlos, weil er spekuliert und die kurze Ecke aufgemacht hatte. Die 05er schüttelten sich kurz und kamen nur zwei Minuten später ihrerseits erstmals zum Abschluss. Ein Boëtius-Schlenzer in der fünften Minute segelte nur knapp am Tordreieck vorbei. Im Gegenzug spielte James Rodriguez einen Ball in die Schnittstelle der 05-Abwehr, Lewandowski tauchte erneut frei vor Müller auf, der in dieser Szene aber glänzend reagierte und das Duell für sich entschied (5.). Ein Schuss von Levin Öztunali aus gut 20 Metern stellte wiederum nur zwei Minuten später kein Problem für Manuel Neuer dar (7.). Die Mainzer spielten in dieser Anfangsphase durchaus mit, mussten aber defensiv immer auf der Hut sein. Glück hatten die Gäste in der zwölften Minute, als Coman das Leder nach einer Flanke von rechts an den Pfosten setzte.

Der FSV ließ es offensiv häufig an Durchschlagskraft vermissen und wusste die sich durchaus bietenden Räume in der Bayern-Abwehr zu selten zu nutzen. Nadelstiche blieben aber weiterhin nicht aus. So auch als Hack Mateta aus der eigenen Hälfte mit einem feinen Ball in die Tiefe bediente, der Torjäger auf dem Weg Richtung Strafraum aber noch entscheidend von Jerome Boateng gestört wurde (16.). In Minute 25 legte Boëtius an der gegnerischen Strafraumgrenze quer auf Öztunali, der das Leder aber aus 14 Metern nicht voll erwischte – vorbei. Gerade in einer Phase, in der der FSV sich immer mehr Spielanteile zu erarbeiten schien, schlug der Rekordmeister ein zweites Mal zu. Joshua Kimmich bediente Leon Goetzka, der James den Ball so genau mit der Brust auflegte, dass der kolumbianische Nationalspieler aus zehn Metern nur noch vollstrecken musste (33.). Noch dicker kam es sechs Minuten später nach einem Ballverlust der 05er im Spielaufbau. Thiago bediente Coman, der an der Mittellinie startete und Müller von der Strafraumgrenze keine Abwehrchance ließ – 3:0 (39.).

Fehlerkette nach der Pause - Münchner eiskalt

Nach dem Seitenwechsel erwischten die 05er dann erneut einen rabenschwarzen Start. Zwar rauschte ein Versuch von Nationalspieler Niklas Süle zunächst am linken Pfosten vorbei (47.), wenig später luden die Mainzer James allerdings zu seinen Tagestreffern zwei und drei ein: Zunächst spazierte der Torschütze des 2:0 an der Strafraumgrenze entlang und schlenzte das Leder anschließend aus 16 Metern in die lange Ecke (51.). Vier Minuten später nahm Thomas Müller Hack den Ball am eigenen Strafraum ab, James tauchte erneut frei Müller Müller auf und überlupfte den Torhüter zum fünften (55.). Ergebniskosmetik betreiben können hätten die Mainzer in der 61. Minute nach dem einzigen schön vorgetragenen Angriff in Durchgang zwei, an dessen Ende Brosinski flankte, Onisiwo am zweiten Pfosten jedoch am Ehrentreffer gehindert wurde.

Das halbe Dutzend voll machten die Gastgeber dann in der 70. Minute. Müller hatte gegen Lewandowski zunächst noch glänzend reagiert, Davies den Abpraller aber aus zehn Metern abstauben können. Danach ging es für den FSV in der Schlussphase nur noch darum schlimmeres zu verhindern und die Räume vor dem eigenen Tor möglichst eng zu gestalten. Dies gelang weitesgehend, so dass es bis zum Schlusspfiff beim 6:0 für die Bayern bleiben sollte. In die Länderspielpause nehmen die Mainzer ungeachtet der bitteren Lehrstunde in der Allianz Arena 30 Punkte sowie ein Zehn-Punkte-Polster auf Relegationsrang 16 mit. Am 30. März (15.30 Uhr) sind die 05er beim SV Werder Bremen erneut auswärts gefordert.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Sandro Schwarz (05-Trainer): „Das war ein verdienter Sieg der Bayern. Wir sind nicht gut reingekommen, geraten direkt in Rückstand. Nach 15 Minuten hatten wir besseren Zugriff, eine ordentliche Phase. Nach dem 0:2 und 0:3 ist uns das Spiel dann aber komplett weggelaufen. Wir haben viel zu viel begleitet, nicht gestochen in den Zweikämpfen. Dass es bei den Bayern schwierig ist, ist klar. Es aber hinten raus so hinplätschern zu lassen, ist lächerlich. Wir müssen in der Länderspielpause klar und deutlich ansprechen, was wir brauchen für unsere Art, Fußball zu spielen. Wir müssen wieder besser verteidigen, nur Scheinangriffe sind zu wenig. Dass es unsere höchste Niederlage war, hatte ich gar nicht auf dem Schirm.“

Rouven Schröder (FSV-Sportvorstand): „Das 0:1 war natürlich ein schlechter Start. Das 0:2 war individuell klasse gemacht. Das 0:3 darf nie passieren. Nach dem 0:4 haben wir das Spiel dann ad acta gelegt. Ein 0:6 tut immer weh – egal, ob es die höchste Niederlage der Vereinshistorie ist oder nicht. Fußball spielen können wir, keine Frage, aber wir müssen in den Zweikämpfen die Sinne schärfen. Nach drei Niederlagen in Serie muss jedem klar sein, dass wir die Dinge deutlich ansprechen werden. Wir müssen in Bremen wieder ein anderes Gesicht zeigen.“

Florian Müller (Mainzer Torwart): „Unser Plan war es, so lange wie möglich die Null zu halten – aber das war ja relativ schnell hinfällig. Wir haben eindeutig zu viele Gegentore kassiert.“
Stefan Bell (05-Kapitän): „Wir waren teilweise zu naiv gegen eine abgezockte Bayern-Mannschaft. Wir hatten den denkbar schlechtesten Anfang, haben uns dann aber eigentlich gut gefangen und hätten sogar den Ausgleich erzielen können. Die Dinger musst du machen, so viele Chancen bekommst du hier nicht.“
Niko Kovac (Bayern-Chefcoach): „Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen, haben nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Liverpool eine tolle Reaktion als Team gezeigt. Mich freut nicht nur das Ergebnis, sondern die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Das war außerordentlich gut. Wir gehen jetzt beruhigt in die Länderspielpause.“

Spieler in der Einzelkritik

Mannschaftsfoto Saison 2018/2019

DAS TEAM DER SAISON 2018/2019

 

Obere Reihe: Walter Notter (Zeugwart), Axel Busenkell (Athletiktrainer), Jonas Grünewald (Athletiktrainer), Stephan Kuhnert (Torwarttrainer), Jan-Moritz-Lichte (Co-Trainer), Sandro Schwarz (Cheftrainer), Michael Falkenmayer (Co-Trainer), Daniel Fischer (Videoanalyse), Stefan Stüwe (Physiotherapeut), Nico Hölzel (Physiotherapeut)

Mitte-Oben: Dr. Kathrin Stelzer (Ärztin), Dr. Alexander Tamm (Arzt), Ridle Baku, Jonathan Burkardt, Danny Latza, Gaetan Bussmann, Robin Quaison, Kunde Malong, Anthony Ujah, Dr. Philipp Appelmann (Arzt), Dr. Stefan Mattyasovszky (Arzt)

Mitte-Unten: Gerrit Holtmann, Niko Bungert, Stefan Bell, Moussa Niakhaté, Ahmet Gürleyen, Jean-Philippe Mateta, Aaron Seydel, Karim Onisiwo, Jean-Philippe Gbamin, Levin Öztunali

Vordere Reihe: Pablo de Blasis, Leandro Barreiro, Giulio Donati, Jannik Huth, Robin Zentner, René Adler, Florian Müller, Finn Dahmen, Alexandru Maxim, Daniel Brosinski, Phillipp Mwene

Fehlend: Emil Berggreen (Reha) Alexander Hack (Reha), Steffen Tröster (Physiotherapeut)

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