Der Gladbacher Alassane Plea (l.) wird von den Mainzern Jean-Paul Boetius (r.) und Jeremiah St. Juste (Mitte) hart angegangen. (Foto: dpa)

Zweites Spiel, zweite Niederlage: Der FSV Mainz 05 bleibt seit Beginn der Rückrunde sieglos. Bei Borussia Mönchengladbach unterlagen die 05er mit 1:3.

Mainz 05 hat auch sein zweites Rückrunden-Spiel verloren. Bei Spitzenteam Borussia Mönchengladbach unterlagen die Rheinhessen 1:3 (1:1). Robin Quaison hatte die Mainzer vor 49.175 Zuschauern zwar in Führung gebracht (12.). Alassane Plea drehte die Partie aber für die insgesamt überlegene Borussia mit einem Doppelpack (24., 76.), ehe Florian Neuhaus den Endstand herstellte (88.). Die 05er sind damit zwar weiterhin auf dem 15. Tabellenplatz. Werder Bremen kann die Mainzer aber am Sonntag mit einem Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim auf den Relegationsrang 16 schieben.

Die Aufstellung: Tatsächlich ein Innenverteidiger im defensiven Mittelfeld
Was 05-Trainer Achim Beierlorzer unter der Woche schon andeutete, setzte er tatsächlich um: Den gelbgesperrten Kunde Malong auf der Sechserposition ersetzte er durch den gelernten Innenverteidiger Jeremiah St. Juste. Zudem begann auf dem rechten Flügel Karim Onisiwo anstelle von Levin Öztunali.
Die erste Halbzeit: Überraschende Führung, unnötiger Rückschlag
Zwei geniale Aktionen, die direkt aufeinanderfolgten, ermöglichten den 05ern die Führung. Moussa Niakhaté spielte einen perfekten Pass in den Rücken der Gladbacher Abwehr und den Lauf von Quaison, der aus vollem Lauf abzog und Borussia-Keeper Yann Sommer keine Chance ließ. Mit ihrer ersten nennenswerten Offensivaktion gingen die 05er also in Führung (12.) und nahmen daraus Selbstvertrauen mit. Onisiwo spielte nach einer Balleroberung direkt auf Jean-Paul Boetius weiter, der aus guter Position zu ungefährlich abschloss (19.).
Doch dann kam der bittere und unnötige Rückschlag für die 05er: Nach einer Freistoßflanke von Oscar Wendt verließen sich die Defensivspieler aufeinander, so dass Plea ganz frei aus Nahdistanz einschießen konnte. Schwer machten sich die Mainzer das Leben auch durch häufige Ballverluste in der Zone zwischen eigenem Strafraum und Mittelkreis. Mönchengladbach gilt als Team, das solche Fehler gerne ausnutzt, und so flankte Plea nach einem Ballgewinn auf Marcus Thuram, dessen Schuss an die Unterkante der Latte klatschte (30.). Mit fortwährender Zeit waren die Gladbacher einer Pausenführung näher, vor allem als Wendt nach einer schlechten Abwehraktion von Alexander Hack zum Abschluss kam. Doch Niakhaté rettete kurz vor der Linie (45.). Mit Vorsicht musste hingegen Borussia-Trainer Marco Rose in den zweiten Abschnitt gehen. Weil er sich in einer Szene zu emotional beschwert hatte, zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer dem früheren Mainzer Profi die Gelbe Karte.
Die zweite Halbzeit: Hoffnung bis zur Schlussviertelstunde, kurioser Abschluss
Die Gladbacher begannen druckvoll. Schon nach gut 60 Sekunden dribbelte Denis Zakaria von der Seite bis in den Mainzer Torraum, verstolperte dann aber. In den folgenden Minuten wurde es im Mainzer Strafraum immer wieder kribbelig. Nur einen gefährlichen Abschluss bekamen die Westfalen nicht hin. Echte Entlastung gelang den Mainzern erst in der 60. Minute, als der für Aaron eingewechselte Daniel Brosinski Gladbach-Keeper Sommer mit einem 16-Meter-Schuss zu einer Parade zwang und kurz darauf Quaison frei im Sechzehner an den Ball kam, aber diesen nicht richtig traf.
Die Gastgeber blieben dennoch dominant. 05-Keeper Robin Zentner verhinderte mit starken Paraden gegen Patrick Herrmann (65.) und Plea (72.) zunächst einen Rückstand. Doch dann war der Torhüter chancenlos, als Plea nach einer Flanke von Herrmann vor Quaison an den Ball kam und diesen aus wenigen Metern ins Netz lupfte (76.). Breel Embolo sorgte für einen weiteren Aluminiumtreffer der Gastgeber (80.), Karim Onisiwo hatte für die 05er noch zwei gute Kopfballgelegenheiten (84., 86.). Und dann setzte Neuhaus den kuriosen Endpunkt, als er nach einer Abwehraktion des herausgeeilten Zentner aus 30 Metern den Ball in den Winkel setzte (88.).

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Achim Beierlorzer (05-Trainer): „Es ist natürlich bitter für uns, weil wir viel investiert haben in dieses Spiel. Wir müssen in den kleinen Dingen konzentrierter sein, um hier in Mönchengladbach etwas mitnehmen zu können. Natürlich ärgert es, wenn wir solche Gegentore per Standard bekommen. Wir trainieren jede Woche Standards. Da ist man als Trainer etwas ratlos. Flanke, Schuss, Tor, das ist zu leicht. Das war definitiv schlecht verteidigt. Wir wollten es nach der Halbzeit noch aggressiver angehen, das ist uns nicht ganz so gut geglückt. Aber die Umschaltmomente wurden immer gefährlicher. Beim Stand von 1:1 haben wir die Chance durch Brosinski. Und dann ist es wieder bitter, dass wir ein Tor nach einem Standard bekommen. Wir haben heute nicht schlecht gespielt, zwei Standard- und ein Slapstick-Gegentor bekommen. Es wäre möglich gewesen, heute zu punkten.“

Marco Rose (Gladbach-Trainer): „Ich finde es war ein verdienter Sieg mit einer sehr ordentlichen Leistung meiner Mannschaft von Anfang an. Wir haben sehr gut auf den Nackenschlag des 0:1 reagiert, hatten viele ordentliche Ansätze und machen den wichtigen Ausgleich vor der Pause. Danach waren wir wieder aufmerksamer und wacher bei der Standardsituation als Mainz. Wir haben auch registriert, dass wir noch Chancen zugelassen haben, aber unterm Strich verdient gewonnen. Natürlich wollen wir diesen Erfolg genießen. Heute Abend haben die Clubs offen, da können die Jungs nochmal um die Häuser ziehen. Mit Mainz verbindet mich sehr viel, meine Tochter ist dort geboren. Ich drücke ab sofort Mainz die Daumen, ganz klar. “

Rouven Schröder (05-Sportvorstand): „Es ist wichtig, dass wir nichts schönreden. Zusammenfassend haben wir uns durch Fehler um den Lohn unserer Arbeit gebracht. Wir gehen 1:0 in Führung, dann ist Gladbach überlegen. Und dann kann es nicht sein, dass wir bei der Standardsituation so das 1:1 bekommen. Wir sind als Spieler alle mal zu spät losgelaufen in solchen Situationen. Es ist aber wichtig, dass uns das nicht zu häufig passiert. Wir hatten das Gefühl, dass da heute etwas drin war. Es war nicht so, dass uns Gladbach heute aus dem Stadion kombiniert hat. Beim dritten Tor hat Robin (Zentner, Anm. d. Red.) etwas die Orientierung zum Ball verloren. Trotz allem hat die Mannschaft auf die Gegentore reagiert und hatte auch Chancen. Bayern ist natürlich eine hohe Hürde, aber sollen wir da jetzt nicht antreten?“

Alexander Hack (05-Abwehrspieler): „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, wir waren dran und kassieren dann zwei vermeidbare Gegentore nach Standards. Ich bin sprachlos, dass die Tore so passiert sind. Wenn die aus dem Spiel heraus passiert wären, ok, aber so… Über das dritte Tor brauchen wir nicht zu reden. Es muss sich jeder von uns strecken, wir können noch so viel über Spielphilosophie oder den Trainer sprechen. Letztlich sind wir die Verantwortlichen. Es muss sich jeder an die eigene Nase fassen.“
Moussa Niakhaté (05-Kapitän): „Wir hätten das Spiel nicht verlieren müssen. Die Gegner haben uns für unsere Fehler knallhart bestraft. Die Spannung bei uns hat gestimmt, es hapert an der Konzentration in den Situationen. Alle drei Tore waren vermeidbar. Gegen die Bayern wird es schwierig. Aber wir wissen auch, dass im Fußball nichts unmöglich ist.“

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner: Note 3
Das 1:3 ging auf die Kappe des Keepers. Nach seiner Kopfballabwehr weit außerhalb des Strafraums war er gegen Neuhaus‘ Traumschlenzer aus 40 Metern einen Schritt zu langsam beziehungsweise sprang zu früh ab. Der allererste Wackler des Torhüters in dieser Saison überhaupt. Zuvor gewohnt sicher bei hohen Bällen. Hielt die 05er zudem mit zwei tollen Paraden (65./71.) noch im Spiel. Hätte damit der Held werden können, doch dann kam Neuhaus…

Ronael Pierre-Gabriel: Note 3,5
Solider Auftritt des Franzosen. Sah bereits früh die Gelbe Karte (10.), weil er Thuram viel zu ungestüm in die Beine grätschte. War danach mal Gewinner, mal Verlierer in Zweikämpfen und Laufduellen mit dem Gladbacher Angreifer. Im Offensivgang bemüht, aber brotlos.
Moussa Niakhaté: Note 4,5
Genialer Flugball auf Quaison vor dem 1:0. Missverständnis beim Freistoß vor dem 1:1 mit St. Juste, wodurch Plea glockenfrei stand. Insgesamt nicht so stark in Zweikämpfen und sicher im Spielaufbau wie von ihm gewohnt.
Alexander Hack: Note 4
Unauffällig in der ersten Halbzeit, was eher für den Innenverteidiger spricht. Insgesamt mit weniger Fehlern im Spielaufbau als zuletzt gegen Freiburg, aber mit schwacher Zweikampfquote, gewann nur 36 Prozent seiner Duelle.
Aaron Martin: Note 5
Es war nicht der Tag des Spaniers, der weiterhin seiner Konstanz aus der Vorsaison hinterherläuft. Hatte im ersten Abschnitt mehrmals Glück bei bösen Ballverlusten in der Nähe des eigenen Sechzehners, dass Gladbach kein Kapital daraus schlug. Folgerichtig zur Pause ausgewechselt.
Jeremiah St. Juste: Note 3
Als nomineller Innenverteidiger in der für ihn neuen Rolle im defensiven Mittelfeld gefordert. Wenn im Zweikampf, dann meist siegreich. Zwar mit anfänglichen Abstimmungsproblemen mit Nebenmann Baku, zeigte aber insgesamt, dass er durchaus eine Option auf der Sechs ist. Ein entscheidendes Manko: Stand beim 1:1 ebenfalls tatenlos in der Nähe von Torschütze Plea.
Ridle Baku: Note 4
Ließ sich durch das enorme Gladbacher Gegenpressing des Öfteren zu Hektik hinreißen. War insgesamt viel unterwegs, produzierte aber auch ohne Not eine Reihe Querschläger. Brachte zudem nur ein harmloses Schüsschen auf den Gladbacher Kasten (37.) zustande.
Karim Onisiwo: Note 4
Hatte vor dem Seitenwechsel keine auffällige Szene. Rieb sich viel in Zweikämpfen und Laufduellen auf, hätte am Ende bei zwei Chancen aber um ein Haar noch getroffen (84./88.).
Jean-Paul Boetius: Note 4,5
Hätte aus aussichtsreicher Gelegenheit mehr machen müssen (18.). War danach gefühlt überall auf dem Platz zu sehen, allerdings teils zu verspielt in seinen Offensivaktionen. Hätte einmal mehr der Unterschiedsspieler sein können, doch es fehlte die zündende Idee.
Jean-Philippe-Mateta: Note 5
Ein ungefährlicher Kopfball (39.) war die einzige Strafraumaktion des torhungrigen Franzosen. Über die gesamte Spielzeit von seinen Gegenspielern Ginter und Elvedi aus dem Spiel genommen, in den meisten Zweikämpfen in der Luft und am Boden unterlegen.
Robin Quaison: Note 3,5
Einmal Held, einmal Antiheld. Gute Ballverarbeitung und sehenswerter Abschluss beim Tor zum 1:0 (12.). War der auffälligste 05-Offensivspieler. Beim 1:2 entwischte ihm im eigenen Sechzehner allerdings Torschütze Plea. Defensivarbeit ist nicht die Paradedisziplin des Schweden, war in diesem Fall aber seine Aufgabe.
Daniel Brosinski: Note 3
Kam für Aaron zur Pause ins Spiel und agierte sehr viel sicherer als der Spanier auf der linken Abwehrseite. Hatte zudem das 2:1 für Mainz auf dem Fuß (61.). Doch seinen eigentlich platzierten Schuss aus der zweiten Reihe lenkte Sommer noch um den Pfosten. Bereitete die zweite Onisiwo-Chance vor, bei der Gladbachs Elvedi beinahe das Eigentor unterlief.
Leandro Barreiro: Note 0
Fügte sich nahtlos ein nach seiner Einwechslung (67.) ein und agierte sehr engagiert. Hätte allerdings Neuhaus vor dessen Traumtor noch entscheidend stören können.
Levin Öztunali: Note 0
Setzte nach seiner Einwechslung (81.) zu zwei, drei vielversprechenden Sprints über Rechts an, bereitet Onisiwos erste Chance vor.

Mannschaftsfoto Saison 2019/2020