Co-Produktion von NLZ-Duo sorgt für Führung, Ingvartsen gleicht aus & Union bringt Unentschieden in Unterzahl über die Zeit

Trotz früher Führung und mehr als 45-minütiger Überzahl mussten sich die 05ER am Mittwochabend bei Union Berlin mit einem 1:1 (1:1)-Unentschieden begnügen und verpassten es dadurch, nach Punkten mit dem Aufsteiger gleichzuziehen. Ridle Baku hatte nach schöner Vorarbeit von Leandro Barreiro das 1:0 besorgt, Marcus Ingvartsen nach einer guten halben Stunde per direkt verwandeltem Freistoß den Ausgleich erzielt. Vor allem nach Wiederbeginn war der FSV zwar das klar tonangebende Team, fand aber zu selten die richtigen Mittel gegen tief stehende Berliner.

Achim Beierlorzer hatte auf die Niederlage gegen Leipzig reagiert und vier Veränderungen vorgenommen. So ersetzten in der Hauptstadt Alex Hack, Eigengewächs Leandro Barreiro, Taiwo Awoniyi und Jean-Philippe Mateta Jeremiah St. Juste (Knieprobleme), Aarón Martín, Edimilson Fernandes und Karim Onisiwo (alle Bank). Zudem hatte der Cheftrainer sich für eine 4-2-3-1-Formation mit Kapitän Moussa Niakhaté auf der Linksverteidiger-Position entschieden.

Die 05ER deuteten gleich in den Anfangsminuten an, es deutlich besser machen zu wollen als am vergangenen Wochenende. Den ersten Torschuss gab in der fünften Minute Jean-Paul Boëtius ab, dessen Versuch aus 20 Metern im Anschluss an eine Ecke das Gehäuse jedoch verfehlte. Dass Union bei der Derby-Pleite gegen die Hertha (0:4) ebenfalls nicht gerade Selbstvertrauen getankt hatte, war deutlich spürbar, viele lange Schläge und das Lauern auf zweite Bälle waren die Folge. Logische Konsequenz: Es tat sich zunächst nicht viel vor und in beiden Strafräumen, ein Kunde-Freistoß übers Tor (11.) fiel allenfalls in die Kategorie Halbchance. Zwei Minuten später schlug der FSV dafür mit der ersten richtigen Gelegenheit der Partie zu! Barreiro erkämpfte sich das Leder vor dem gegnerischen Sechzehner, bekam den Ball auf links von Robin Quaison zurück und bediente mit seiner Hereingabe mustergültig Baku, der per Direktabnahme seinen dritten Bundesliga-Treffer markierte (13.). Anschließend taten sich die Gastgeber schwer gegen defensiv gut organisierte 05ER, die aber ihrerseits ebenfalls zunächst um Ergebnisverwaltung bemüht waren und in der ersten halben Stunde keine weiteren Chancen zu verzeichnen hatten. Der kurz darauffolgende Ausgleichstreffer wurde Union dann nach einer guten halben Stunde quasi auf dem Silbertablett serviert. Routinier Christian Gentner suchte 20 Meter vor dem Mainzer Tor den Kontakt mit Boëtius und Schiedsrichter Robert Schröder entschied auf Freistoß in äußerst aussichtsreicher Position: Ingvartsen übernahm die Verantwortung, guckte Flo Müller im Tor aus und brachte das Leder in der Torwartecke zum 1:1 unter – ein in allen Belangen vermeidbarer Ausgleich aus dem Nichts (33.).

Vor der Pause passierte bis zur 42. Minute nicht mehr viel, da leistete sich Berlins Robert Andrich im Mittelfeld sein zweites Foulspiel an Barreiro und sah folgerichtig die Gelb-Rote-Karte. Mit zehn gegen elf und dem Remis ging es wenig später in die Katakomben. 

Mateta verpasst erneute Führung - Union verteidigt geschickt

Trotz Unterzahl kam Union zum ersten Abschluss nach der Pause, als Sebastian Andersson Müller aus zwölf Metern prüfte (48.). Danach war dann der FSV an der Reihe: Mateta erlief im Strafraum ein Kunde-Zuspiel, doch seinen Schuss aus der Drehung blockte Marvin Friedrich zur Ecke (51.). Mateta kam seinem ersten Treffer nach dem Re-Start zwei Minuten später, als sein Chip nach Pass von Awoniyi nur auf dem Tornetz landete (54.). Nach dieser vielversprechenden Gelegenheit zogen sich die Berliner weiter zurück und lauerten auf Umschaltsituationen. Kunde versuchte es zweimal, ohne das Tor der Gastgeber dabei allerdings ernsthaft in Gefahr zu bringen (57. & 62.). Es dauerte anschließend bis zur 70. Minute, bis die nun klar feldüberlegenen 05ER sich wieder mal bis in den Strafraum vorarbeiten konnten. Zunächst konnten die Berliner nach einem Querpass von Boëtius mit vereinten Kräften und in höchster Not klären (71.), nach der darauffolgenden Ecke versuchte es Mateta per Hacke aus zehn Metern, doch Rafael Gikiewicz war zur Stelle (72.).

In der Schlussphase reagierte Beierlorzer und versuchte durch die Einwechslungen von Onisiwo Dong-Won Ji sowie Ádám Szalai offensive Impulse zu setzen, die engmaschige Defensive des Gegners bot jedoch nur selten Lücken. Vielmehr wäre kurz vor Ultima beinahe den Gastgebern nach einem weiteren Standard der Lucky Punch gelungen: Müller riss bei einem Kopfball von Keven Schlotterbeck aber blitzschnell die Arme hoch (89.). Da sich in der dreiminütigen Nachspielzeit nichts mehr tat, blieb es in diesem Duell zweier direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt unter dem Strich beim 1:1-Unentschieden.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Achim Beierlorzer (05-Coach): „Das Gegentor war sehr ärgerlich. Zunächst einmal war das für mich kein Freistoß würdiges Foul und dann muss Flo den Ball haben. In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht geschafft, das Union-Bollwerk zu knacken. Mit dem Willen und dem Engagement der Mannschaft bin ich trotzdem zufrieden. Wir wissen um unsere schwierige Situation und haben noch sechs Spiele vor der Brust, diese zu regeln. Hoffenheim wird am Wochenende jedenfalls spielerisch ganz anders auftreten.“
Ridle Baku (05-Torschütze): „Es ist extrem ärgerlich und bitter. Mit einem Mann mehr will man das Spiel natürlich gewinnen. Wir haben uns einige Chancen im zweiten Durchgang herausgespielt und mit etwas Glück rutscht auch einer rein. Aber das letzte Quäntchen hat gefehlt. Der letzte Pass, die letzte Aktion – das ist uns leider nicht immer gelungen. Und leider auch nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Ich bin trotz meines Tores schon enttäuscht, dass es heute nicht für mehr gereicht hat. Wir wussten ja, was hier auf uns zukommt. Im Abstiegskampf bekommst du nichts geschenkt. Nun müssen wir den Blick nach vorne richten.“
Alexander Hack (05-Verteidiger): „Es fühlt sich heute wie zwei verlorene Punkte an. Wir haben in Überzahl einfach zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht. Wir hätten den Ball schneller bewegen müssen, haben aber zu viele Fehlpässe gespielt, was Union in die Karten spielte. Dann wird es eben schwierig.“
Florian Müller (05-Keeper): „Solange in Überzahl zu spielen und trotzdem aus einem so wichtigen Spiel im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten nicht mehr als ein Punkt mitzunehmen, da ist man natürlich schon ein bisschen geknickt. Wir hätten das Spiel eigentlich gewinnen müssen. Wir haben alles gegeben, aber es hat nicht geklappt. Das ist schon bitter. Beim Gegentor mache ich einen Schritt in die falsche Richtung, das mache ich normalerweise nicht. Das war die falsche Entscheidung.“
Marvin Friedrich (Union Berlin): „Wenn man 50 Minuten in Unterzahl spielt, nimmt man den Punkt gerne mit. Es war kein fußballerischer Leckerbissen, das war Abstiegskampf pur.“
Kunde Malong (05-Mittelfeldspieler): „Ich bin schon enttäuscht. Es war kein gutes Fußballspiel und wir können es sicher besser. Ein Punkt ist zu wenig. Wir gehen in Führung und nutzen es nicht. Wir haben mehr Ballbesitz und Kontrolle – und nutzen es nicht. Und wir hätten die Überzahl besser nutzen müssen. Dass Düsseldorf gewonnen hat, macht es für uns noch komplizierter im Abstiegskampf. Das werden spannende Wochen, aber wir werden weiterhin unser Bestes geben. Denn eigentlich haben wir keine Zeit, enttäuscht zu sein.“
Christopher Trimmel (Union-Kapitän): „Für uns war das ein gewonnener Punkt, den wir gerne mitnehmen, weil wir 50 Minuten in Unterzahl gespielt haben.“
Marvin Friedrich (Union Berlin): „Wenn man 50 Minuten in Unterzahl spielt, nimmt man den Punkt gerne mit. Es war kein fußballerischer Leckerbissen, das war Abstiegskampf pur.“

Spieler in der Einzelkritik

Mannschaftsfoto Saison 2019/2020