Vor der Partie war mit Spannung erwartet worden, wer den Platz zwischen den Pfosten der 05ER einnehmen würde. Cheftrainer Achim Beierlorzer hatte sich am Donnerstag für Robin Zentner entschieden und vor dem Anpfiff der Partie von einem ganz knappen Vorsprung des 25-Jährigen gegenüber Konkurrent Flo Müller gesprochen. Darüber hinaus agierten die 05ER aus einer offensiven 4-4-2-Grundordnung, mit dem kreativen Jean-Paul Boëtius an der Seite von Kapitän Danny Latza auf der Doppelsechs, heraus.

Havelse sieht Gelb & trifft

Der Regionalligist präsentierte sich in der Anfangsphase äußerst aggressiv, mit der Folge, dass der Unparteiische Arne Aarnink nach weniger als 120 Sekunden bereits zweimal den gelben Karton hatte zücken müssen. Völlig zurecht im Übrigen, nachdem zunächst Moussa Niakhaté und wenig später Latza hart angegangen worden waren. Den ersten Warnschuss der Begegnung gab dann Eigengewächs Jonny Burkardt aus der zweiten Reihe ab, doch Havelses Schlussmann Norman Quindt, der an diesem Abend noch beste Eigenwerbung betreiben sollte, war zur Stelle (4.). Im Anschluss an die darauffolgende Ecke kam Jeremiah St. Juste völlig frei zum Kopfball, den der Innenverteidiger aber neben das Gehäuse setzte. Der FSV übernahm im Anschluss die Kontrolle, während der Underdog zunächst um eine stabile Defensive bemüht war. In der Folge fanden die 05ER in diesem engmaschigen Geflecht zunächst nur wenig Lücken, mussten sich in Geduld üben und erspielten sich allenfalls Halbchancen. Aus dem Nichts dann der Schock für den Bundesligisten, als die Mainzer nach einem Einwurf kurz unaufmerksam agierten und Noah Plume Zentner aus dem Rückraum keine Chance ließ (17.). Nur eine Minute später lief der TSV schon wieder an, doch mehrere Abwehrbeine des FSV klärten im Verbund mit Zentner letztlich in höchster Not (18.).

Nach einer knappen halben Stunde brachte ein ruhender Ball die Chance zum Ausgleich, doch Daniel Brosinski zirkelte das Leder knapp am linken Torpfosten vorbei (30.). Kurz vor der Pause bot sich den Rot-Weißen dann noch eine Dopplchance, als erst Burkardt und dann Boëtius jeweils an Quindt scheiterten (44.). Glücklich, aber auch nicht ganz unverdient nahm der Regionaligist die Führung mit in die Pause.

Turbulenter Wiederbeginn

Beide Teams gingen unverändert in den zweiten Durchgang und nach nur knapp drei Minuten musste sich Zentner mächtig strecken, um das 0:2 aus 05-Sicht durch Yannik Jaeschke zu verhindern (48.).Wenig später trat dann erstmals Torjäger Mateta in Erscheinung, scheiterte aber nach Flanke von Ridle Baku völlig freistehend an an einem starken Reflex von Quindt (51.). Sechs Minuten später ließ der Franzose dem Torhüter dann aber keine Chance. Nach schönem Ball in die Tiefe von St. Juste behauptete er sich gegen einen Verteidiger und schloss humorlos zum Ausgleich ab (57.). Per Kopf nach Flanke von Brosinski hätte er den zweiten Treffer gleich nachlegen können, doch diesmal war Quindt wieder zur Stelle (59.). Der FSV wollte nun keinen Zweifel mehr aufkommen lassen, wer Herr ist über die OPEL ARENA gegen weiter wacker kämpfende Gäste aus dem Norden.

Es glich nun einem Anrennen. Nach einer guten Stunde hätte der kurz zuvor eingewechselte Szalai für die Führung sorgen können, nachdem die Eigengewächse Baku und Nebel sich über den rechten Flügel schön durchkombiniert hatten, er fand aber ebenso im Schlussmann seinen Meister (63.). Quindt lief an diesem Freitabend zur Höchstform auf und vereitelte auch den nächsten, noch abgefälschten, Versuch Szalais (68.). Der Führungstreffer der 05ER schien in dieser Phase nur eine Frage der Zeit. Doch anschließend gelang es dem TSV zunächst weitere Hochkaräter zu verhindern, der FSV, der sich quasi nur noch im Vorwärtsgang befand, suchte die Lücke. Diese fanden die Rheinhessen dann nach einem ruhenden Ball in der Schlussphase. Brosinski flankte und im dritten Versuch ließ Szalai Quaindt per Kopf aus sechs Metern keine Abwehrchance (77.). Den Sack zu machte zwei Minuten später wieder Mateta, der nach einem Konter aus zwölf Metern das 3:1 markierte (79.). In der 86. Minute durfte dann auch der beste Mainzer Torschütze der abgelaufenen Saison ran, als auch Quaison als Joker stach und nach maßgenauer Baku-Flanke in der 86. Minute per Kopf Treffer Nummer vier markierte. Für den Schlusspunkt sorgte quasi mit dem Abpfiff erneut Mateta und sicherte sich mit dem Treffer zum 5:1-Endstand letztlich gar noch einen Dreierpack. Den Assist hatte Nebel geliefert. Nach dem Einzug in die zweite DFB-Pokal-Runde wartet am kommenden Sonntagnachmittag (15.30 Uhr) der Bundesliga-Auftakt bei RB Leipzig auf die 05ER. 

 

Havelse: Quindt - Schleef , Tasky , Sonnenberg , N. Teichgräber (81. Kina) - Plume , Tor. Bremer , K. Schumacher (64. Damer), Cicek (11. Langfeld), Fölster (82. Meien)  - Jaeschke (64. Lakenmacher)

Mainz 05: Zentner - Baku, St. Juste, Niakhaté, Brosinski - Latza (84. Tauer), Boëtius (84. Barreiro), Burkardt (77. Quaison), Öztunali (60. Nebel) - Issah (60. Szalai), Mateta

Tore: 1:0 Plume (17.), 1:1 Mateta (57.), 1:2 Szalai (77.), 1:3 Mateta (79.), 1:4 Quaison (86.), 1:5 Mateta (90.)

Zuschauer: 1000

Schiedsrichter: Arne Aarnink

Stimmen

Zwischenzeitlich war sie wieder da, diese Blockade im Kopf, eine Phase des Haderns und Zweifelns auf dem Rasen. Gleich mehrere gute Gelegenheiten hatten die 05ER sich in den ersten Szenen der Partie erspielt und sich auch nicht von der zunächst harten Herangehensweise des Gegners (zweimal Gelb nach 120 Sekunden) beeindrucken lassen. Doch nachdem Jonny Burkardt, Jeremiah St. Juste und Kapitän Danny Latza am glänzend aufspielenden Havelser Torhüter Norman Quindt oder aber mangelnder Präzision gescheitert waren, kamen die Rot-Weißen von ihrer Linie ab. Plötzlich fehlte die Dynamik im Spiel nach vorne, das Passspiel lahmte, Überraschungsmomente waren Fehlanzeige. "Wenn wir das Tor zu Beginn machen, dann läuft das Spiel anders", so der Trainer am Samstagmorgen nach einer kurzen Nacht. "Vor dem Gegentor hat dann ein Teil der Defensive auf Abseits gespielt und schon liegst du hinten. Danach hatten wir Probleme, haben die Positionen nicht mehr richtig besetzt." Bis zur Pause bemühten sich die 05ER zwar, kamen aber nur noch zu einer Doppelchance in der Schlussphase von Hälfte eins, als Quindt binnen einer Minute stark gegen Burkardt und Jean-Paul Boëtius parieren konnte.

Nach der Pause auf die Siegerstraße

Die Mängel im Offensivspiel zeigte das Trainerteam der 05-Elf in der Halbzeitpause auf, was nach einem kurzen Schockmoment, als Robin Zentner mit einer Glanztat das 0:2 verhinderte, zu einer klaren Leistungssteigerung führte. Die Stürmer banden die Innenverteidiger des Gegners tief in der eigenen Hälfte, die 05ER agierten im Positionsspiel nun insgesamt variabler und nutzten die sich bietenden Halbräume konsequenter aus. Exemplarisch zu sehen beim so wichtigen Ausgleichstreffer, als Jeremiah St. Juste Jean-Philippe Mateta aus der eigenen Hälfte mit einem punktgenau getimten Ball auf die Reise schickte, der Stürmer einen Abwehrspieler abschüttelte und seinen ersten DFB-Pokal-Treffer markierte. Es war ein Brustlöser auch in mentaler Hinsicht.

Die 05ER wirkten nun befreiter, traten fortan mit dem Selbstbewusstsein eines Favoriten auf und ließen quasi keine Entlastungsangriffe des Gegners mehr zu. Ein Standard von Daniel Brosinski, den Ádám Szalai per Kopf verwertete, brachte den FSV 13 Minuten vor dem Ender der Partie auf die Siegerstraße. Erneut zweimal Mateta sowie Joker Robin Quaison sorgten vor 1000 Zuschauern am Ende doch noch für ein standesgemäßes Resultat beim Pflichtspiel-Auftakt. "Wir haben in der Pause bekräftigt, dass wir daran glauben und haben uns am Ende verdient durchgesetzt", so Beierlorzer, der seinem Team aufgrund der langen Woche vor der Partie in Leipzig am Sonntag in acht Tagen nun einen zusätzlichen trainingsfreien Tag genehmigt. Nach der regenerativen Einheit am Bruchweg am Samstagvormittag treffen sich die Mainzer am Dienstag wieder, um die heiße Phase der Vorbereitung auf den Bundesliga-Auftakt einzuläuten.

Mit dabei sein werden dann natürlich auch wieder zwei Nachwuchstaltente, die im Pokal ihr Pflichtspiel-Debüt bei den Rheinhessen feiern durften. Paul Nebel (17) und Niklas Tauer (19) kamen im Verlauf der zweiten Halbzeit in die Partie und schicken sich an, ernsthafte Konkurrenz für die Etablierten im Kader zu werden.

Das ist herzerfrischend

"Paul ist sofort losmarschiert, das macht ihn aus, das öffnet mir das Herz. Der geht rein, dribbelt los, geht in die Zweikämpfe, schießt aufs Tor. Er hat sich einen Assist geholt, bei einem Tor den vorletzten Pass gespielt, das ist herzerfrischend. Er macht einfach", freute sich der Cheftrainer, der auch Tauer noch sechs Minuten Einsatzzeit gegönnt hatte: "Niklas belohnt sich für die Trainingseindrücke, ist defensiv richtig stark." Neben der kritischen Analyse überwogen nach der Partie, die dank 1000 Anhängern auf der Gegengerade der Arena auch atmosphärisch einiges zu bieten gehabt hatte, also die positiven Aspekte rund ums Team der 05ER, die nach der Pflichtaufgabe gegen Havelse beim Bundesliga-Auftakt in Leipzig überzeugen wollen. "Dort haben wir etwas gut zu machen", erinnerte Beierlorzer abschließend.

Vor der Aufgabe bei RB Leipzig zum Bundesliga-Auftakt, so Schröder, warte noch jede Menge Arbeit auf sein Team: "Wir haben schon noch einiges in der Defensive zu tun. Nächste Woche in Leipzig müssen wir besser stehen und uns deutlich steigern", forderte der Sportvorstand nach dem Schlusspfiff. Euphorie kam auch bei den anderen rot-weißen Protagonisten nicht auf nach dem Pflichtsieg vor heimischer Kulisse.

Stimmen zum Spiel