Spaß, Emotionen, Nostalgie

Detlef Rehling. Mainz.
Nikolce Noveski hatte gerufen und alles, was Rang und Namen hat, war gekommen. Die Aufstellungen im Abschiedsspiel für die Legende des FSV Mainz 05 in der Opel Arena lasen sich wie das Who is Who der jüngeren 05-Geschichte. Und der frühere Innenverteidiger sagte selbst mit zwei Toren Servus. Spaß, Emotionen, eine Menge Nostalgie und viele Tore verliehen der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Am Ende gewann das von Jürgen Klopp betreute Team das Mainzer Legenden-Treffen mit 10:6 gegen die von Thomas Tuchel gecoachte Auswahl. „Es war ein gelungenes Spiel, ein schöner Tag. Es ist eine große Ehre für mich und den Verein, dass so viele gekommen sind. Das beweist, wie groß der Zusammenhalt ist“, sagte Noveski, der beim Abschied ein paar Tränen wegdrücken musste.

Das Warten hat sich gelohnt. Mehr als zwei Jahre nach dem Ende der Karriere nahm Nikolce Noveski Abschied von der großen Fußballbühne. Knapp 14.000 Zuschauer hatten beim Klassentreffen einstiger und heutiger Fußball-Profis in der Opel Arena ebenso ihren Spaß wie die Auswahltrainer Jürgen Klopp (Team Mainz 05) und Thomas Tuchel (Team Nikolce). 16 Treffer gab es zu bestaunen, die Elf des Liverpool-Coaches gewann am Ende 10:6 gegen die Auswahl des anderen ehemaligen 05-Trainers, der in der vergangenen Saison in Diensten von Borussia Dortmund gestanden hatte.

 

Die Moderatoren des Jux-Spiels, Klaus Hafner und Sven Hieronymus, berichteten live aus den Kabinen der Teams. Klopp blieb kurz und prägnant, wie es nun einmal seine Art ist. „Reißt euch zusammen. Alle, die noch laufen können, raus jetzt.“ Torwart Dimo Wache, mit der Nummer 374 für die Anzahl seiner Einsätze im 05-Trikot auf dem breiten Rücken, habe schon dem Bi

Eine 05-Legende nimmt Abschied: Nikolce Noveskis sagt den Fans Servus. Foto: Imago

er zugesprochen. Kein gewöhnliches Spiel also. Noveski, der Mann des Abends, ließ auf sich warten. Um 17.15 Uhr erhoben sich die Zuschauer zu seinen Ehren.
Die noch aktiven Stefan Bell, Lewis Holtby (Hamburg), Eugen Polanski (Hoffenheim), Sami Allagui (St. Pauli) und Loris Karius (Liverpool) strotzten vor Ehrgeiz für die Ehemaligen, zu den sich Publikumsliebling Elkin Soto auch noch nicht zählt. Der Kolumbianer kickt noch für seinen alten Verein Once Caldas und hat bereits ein Angebot für eine weitere Saison. „Ich habe vielleicht eine Minute überlegt, als ich die Einladung bekam. Ich habe mit meinem Trainer gesprochen und der hat gesagt ‚Da musst Du hin‘. Ich habe es richtig genossen“, sagte Soto, der mit der gesamten Familie aus dem fernen Südamerika angereist war. „Das erste Mal seit meinem Abschied."

Eine 05-Legende nimmt Abschied: Nikolce Noveskis sagt den Fans Servus. Foto: Imago

Die jungen und alten Herren mussten sich ein wenig warmlaufen. Erst nach 13 Minuten klingelte es zum ersten Mal. Nach einem Traumpass von Soto erzielte Sami Allagui das 1:0 für Team Nikolce. Zehn Minuten später sah es so aus, als würde das von Tuchel trainierte Team davonziehen - Petr Ruman schob den Ball zum 2:0 ein. Doch spätestens nach Michael Thurks Anschlusstreffer zum 1:2 (28. Minute) waren beide Teams in Torlaune. Ivan Klasnic erhöhte zum Pausenstand von 3:1.
Noveski, fit und ehrgeizig wie eh und je, hatte den Laden zusammengehalten. Zur zweiten Halbzeit wechselte der Mazedonier ins Klopp-Team. Der Liverpool-Coach musste natürlich an eine dunkle Seite des langjährigen Kapitäns und Rekordspielers mit 255 Bundesliga-Einsätzen erinnern. „Hoffen wir mal, dass er jetzt nicht die Teams verwechselt - das ist ihm ja schon mal passiert.“ Noveskis zwei Eigentore innerhalb von 132 Sekunden im November 2005 beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt stehen schließlich in den Annalen der Bundesliga. Es ging gut, Noveski traf zweimal in die richtigen Tore.  
Beim großen Klassentreffen jubelte nach dem Wechsel der aus Ägypten angereiste Mohamed Zidan, der wie Benjamin Auer und Michael Thurk vor Spielfreude  strotzte. Ihre Torgier wünscht sich so mancher Fan von den aktuellen Stürmern der 05er. Bisher gab es in der Liga ja noch keinen Treffer zu feiern. Zidans Tor war der Auftakt für eine rasante zweite Halbzeit. Daniel Gunkel sorgte für die erste Führung der Klopporaner, Auer erhöhte, Klopps harte Ansprache in der Pause fruchtete. „Vorher hatte ich mir große Sorgen gemacht. Der dicke Antonio da Silva, mehrere mit künstlichen Gelenken. Da hab ich verordnet, Bier auszuschenken", ulkte der 50-Jährige.
Das Tuchel-Team schlug zurück. Unnachahmlich drosch Soto die Kugel ins Netz, doch auf der Gegenseite war einmal mehr Zidan nicht zu stoppen. Dann entdeckte auch Noveski seinen Torriecher. Unbemerkt hatte sich der Mazedonier nach vorn geschlichen und erhöhte. Als auf der Gegenseite der auch ohne Videobeweis stets auf Augenhöhe agierende Jochen Drees nach einem „üblen" Foul an Klasnic auf den Punkt zeigte, war wieder Noveski gefragt. Schnell das Trikot getauscht und dann den guten Christian "Wetti" Wetklo verladen. Den Endstand zum 10:6 erzielte Soto ebenso per Strafstoß.
Punkt 19.05 Uhr, wie könnte es auch anders sein, endete das Abschiedsspiel für Noveski und seine Mitstreiter. Tamas Bodog, der einst nach einem Trainingsfoul von Noveski seinen Startelf-Platz an den Mazedonier verloren hatte, sollte ihn ersetzen. Spielen musste der Ungar nicht mehr, der Rest ging im Jubel, der Ehrenrunde und der letzten Humba auf dem Zaun unter. Noveski herzte seinen Bruder und den Neffen Alexander und bekannte, das da schon ein paar Tränen geflossen seien. „Es war ein gelungenes Spiel, ein schöner Tag. Es ist eine große Ehre für mich und den Verein, dass so viele gekommen sind. Das beweist, wie groß der Zusammenhalt ist."

Wie in alten Zeiten: Elkin Soto und Sami Allagui beim Torjubel. Foto: Imago

Team Mainz 05 – Team Nikolce 10:6 (3:2)

Samstag, 2. September 2017, 13.497 Zuschauer.

 

Team Mainz 05: Gerber, Auer, Weiland, Friedrich, Pekovic, Bell, Rose, Babatz, Diaz, Amri, da Silva, Bodog, Gunkel, Thurk, Wetklo, Zidan, Wache (Trainer: Jürgen Klopp).

 

Team Nikolce: Noveski, Svensson, Pospech, Polanski, Zabavnik, Allagui, Ruman, Baljak, Kramny, Heller, Klasnic, Holtby, Soto, Karius, Karhan, Weiland, Weigelt, Wildcard-Gewinner, Kresic (Trainer: Thomas Tuchel)..

 

Tore: 0:1 Allagui (14.), 0:2 Ruman (22.), 1:2 Thurk (30.), 1:3 Klasnic (33.), 2:3 Auer (43.), 3:3 Zidan (55.), 4:3 Gunkel (56.), 5:3 Auer (59.), 5:4 Soto (68.), 6:4 Zidan (70.), 7:4 Noveski (71.), 8:4 Pospech (74.), Noveski 8:5 (79., FE), 9:5 Thurk (81.), 10:5 Auer (85.), 10:6 Soto (86., FE).

 

Klopp: Geile Fußballer

Detlef Rehling. Mainz.
Sie hatten viel Spaß bei ihrer Rückkehr auf die Trainerbänke beim FSV Mainz 05 und anschließend in der der dritten Halbzeit in den VIP-Räumen der Opel Arena: Die Startrainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel coachten die beiden Mannschaften des Abschiedsspiels für den Ehrenspielführer Nikolce Noveski und fühlten sich sichtlich wohl beim Stelldichein der ehemaligen 05-Profis. „Ich fühle mich der Geschichte sehr zugehörig“, sagte Klopp, der jeden und alles herzte. „Ich bin immer wieder erstaunt, welch geile Fußballer Mainz 05 gehabt hat“.

Kein Stress, nur die pure Lust: Die Startrainer Thomas Tuchel und Jürgen Klopp coachten das Stelldichein der ehemaligen 05-Profis beim Abschied von Nikolce Noveski. Foto: Imago

Kein Stress, nur die pure Lust. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel kehrten zu Ehren von Ehrenspielführer Nikolce Noveski noch einmal auf die Trainerbänke in der Heimstätte des FSV Mainz 05 zurück. Klopp siegte, Tuchel war der faire „Verlierer“ des Abschiedsspiels, und alle hatten bei der dritten Halbzeit in den VIP-Räumen der Arena ihren Spaß.

Klopp, mittlerweile ein Fünfziger, tauchte beim kurzweiligen Legendentreffen vor knapp 14.000 Zuschauern tief in die eigene Geschichte ein. Die 18 Mainzer Jahre als Spieler und Trainer zwischen 1990 und 2008 haben sich beim Coach des ruhmreichen FC Liverpool tief eingebrannt. „Ich fühle mich der Geschichte sehr zugehörig“, sagte der Startrainer. Er herzte jeden und alles. „Ich bin immer wieder erstaunt, welch geile Fußballer Mainz 05 gehabt hat“; sich selbst zählt er auch dazu.

Auch für Thomas Tuchel war es ein besonderer Tag an alter Wirkungsstätte. Erstmals seit seinem Rausschmiss Ende Mai bei Borussia Dortmund saß der 44-Jährige mal wieder auf einer Trainerbank, seinen langjährigen Co-Trainer Arno Michels im Schlepptau. Gut gelaunt und gebräunt nach langem Urlaub kam Tuchel nach Mainz. Die Ovationen der Zuschauer gehörten mehr Klopp, doch das störte Tuchel nicht. Er genieße die freie Zeit, auch „wenn mir alle unterstellen wollen, dass mir das nicht gelingt“. Er habe Abstand vom Fußball gewonnen und seinen Abgang vom BVB verarbeitet. Nach der Rückkehr nach Deutschland sei er wieder näher dran am Fußball. Die Kinder zur Schule zu fahren und wieder abzuholen, sei schön, aber nicht erfüllend. „Ich schaue mir wieder Spiele an.“

Tuchel will auf den nächsten Job warten und vertraut auf sein Bauchgefühl. „Wenn man sich zu viele Gedanken macht, schränkt man sich auch zu sehr ein“, erklärte er. Er stehe in der Verantwortung für seine Familie und sein Trainerteam, das weiter nur mit ihm arbeiten will. „Wenn es uns packt, merken wir das sehr schnell.“

Deshalb will er sich „gar nicht reinhängen, indem ich sage, das und das brauche ich.“ Ein Klub aus der Champions League sei erstrebenswert, „aber eine Liste habe ich nicht angelegt“. Ob es ihn wie seinen Mainzer Vor-Vorgänger Klopp auch nach England ziehe? „Ich erlaube mir jetzt, darauf nicht zu antworten“, sagte der 44-Jährige und löst damit neue Spekulationen aus. Zuletzt war Tuchel mit dem FC Chelsea in Verbindung gebracht worden.

Einen Seitenhieb auf seinen Ex-Verein in Sachen Ousmane Dembelé, der für 105 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselte, konnte sich Tuchel nicht verkneifen. „Ousmane hat in den ersten Gesprächen, die wir geführt haben, immer den Wunsch geäußert, dass es sein großes Ziel und sein Traum ist, nach Barcelona zu gehen“, erzählte Tuchel. Dass der Franzose mit seinem eigenmächtigen Fernbleiben vom Training den Transfer anschob, kommentierte der Trainer nicht. „Ich war in den Abläufen nicht drin und weiß nicht, wie und wieso er es gemacht hat. Aber man muss aufpassen, dass es nicht zu moralisch wird.“

Mit dem FC Barcelona musste sich Klopp intensiv beschäftigen, denn die Katalanen wollten nach dem Abgang von Neymar unbedingt dessen brasilianischen Landsmann Philippe Coutinho vom FC Liverpool loseisen. Der Spieler wollte, der Verein nicht. „Ich bin froh, dass ich weiter einen richtig guten Fußballspieler habe“, sagte Klopp und beendete das Gespräch. „Weil ich nicht über Liverpool spreche, sondern wegen Nikolce in Mainz bin.“

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