Johannes Kaluza macht Weg für Neuwahlen frei

Erst war es nur ein Gerücht. Doch dann haben sich die Ereignisse überschlagen: Nachdem die Vereinsführung Johannes Kaluza den Rücktritt nahegelegt hat, macht er den Weg für Neuwahlen frei.

Umstrittener Präsident: Johannes Kaluza

Johannes Kaluza hat offenbar keinen Rückhalt mehr beim FSV Mainz 05. Laut Kicker wollten weder Sportvorstand Rouven Schröder noch die vier Geschäftsführer weiter mit ihm zusammenarbeiten. Gemeinsam hätten sie Kaluza daher zum Rücktritt aufgefordert, da eine Zusammenarbeit schlicht nicht möglich sei und jegliche Vereinsziele gefährde. Sportdirektor Rouven Schröder wollte das am Sonntagmorgen noch nicht bestätigen. Er wolle diese Angelegenheit lieber intern besprechen.

Doch am Sonntagmittag kam Kaluza ihm zuvor und äußerte sich via Twitter:

Johannes Kaluza hat auf die Ereignisse der vergangenen Tage reagiert und schließt Neuwahlen in naher Zukunft nicht aus. „Ich stehe bereit, den Weg zu Neuwahlen zu ermöglichen und werde entsprechende Gespräche aufnehmen. Damit gewinnt der Verein Zeit, die Ereignisse der vergangenen Tage aufzuarbeiten“, ließ der 63-Jährige über den Verein mitteilen. Auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte Kaluza: „Es ist wichtig, jetzt nicht in Hektik zu verfallen und die Dinge in Ruhe aufzuarbeiten, um dann auf einer Faktenlage zu entscheiden.“ Was das im Einzelnen bedeutet, ist noch nicht klar.

Damit spricht der Vereinsvorsitzende des 1. FSV Mainz 05 nicht seinen Rücktritt aus, macht aber deutlich, dass er eine zeitnahe Lösung anstrebt. Wie auch immer die aussehen mag. „Neuwahlen können auch ein Vorgang sein, nach dem alle wissen, woran sie sind.“ Ob er noch einmal antreten werde, wollte Kaluza noch nicht beantworten, sondern verwies auf die Gespräche in den entsprechenden Gremien in den nächsten Tagen.

Zerrüttetes Verhältnis zwischen Kaluza und Geschäftsführern

Zuvor hatte das ohnehin schon zerrüttete Verhältnis zwischen Kaluza und den vier Geschäftsführern und Sportvorstand Rouven Schröder demnach bei einem Krisengespräch Ende der vergangenen Woche einen neuen Tiefpunkt erlangt. Dort sprach die Vereinsführung dem 63-Jährigen nicht nur die Führungskompetenz ab, sondern legten ihm auch einen Rücktritt nahe, da eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich sei. Dann eskalierte es. Kaluza drohte den Anwesenden nach Informationen dieser Zeitung mit Konsequenzen ohne dies näher zu benennen. Im Nachgang der Runde bat Schröder Kaluza zu einem persönlichen Gespräch nach der Partie gegen den 1. FC Köln. Dort versetzte Kaluza den Sportvorstand jedoch mit Verweis, auf dem Herzball der Stiftung Mainzer Herz zu sein.

Nach diesem offensichtlichen - und nun auch öffentlichen - Bruch mit Kaluza scheinen die Tage des Vorsitzenden bei Mainz 05 gezählt. Wobei anzumerken ist: Feuern kann ihn niemand. Der von den Mitgliedern vor nicht einmal fünf Monaten gewählte Kaluza müsste entweder selbst zurücktreten oder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit einer Drei-Viertel-Mehrheit abgewählt werden. Hinter vorgehaltener Hand wird sogar schon darüber spekuliert, dass Mitglieder sich zusammenschließen, um die notwendigen Stimmen für eine Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammenzubekommen.
Somit nimmt das Theater um Kaluza weiter kein Ende. Erst in dieser Woche hatte der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung die monatliche Aufwandsentschädigung für den Ehrenamtler auf 3000 Euro festgelegt - mit dem Zusatz, dass Kaluza aufgrund seiner ehrenamtlichen und zwingend unentgeltlichen Tätigkeit kein Verdienstausfall zustehe. Diesen hatte der Vorsitzende aber auf der Mitgliederversammlung Ende Oktober gefordert - und damit eines seiner zentralen Wahlversprechen gebrochen. Denn in seinem Wahlkampf hatte Kaluza unter anderem für sich damit geworben, mit diesem Amt keine finanziellen Interessen zu verbinden. Kaluza hatte die Festlegung der Aufwandsentschädigung auf 3000 Euro akzeptiert. Dennoch hat sich der 63-Jährige in Fankreisen mit seinen Forderungen fast jeglichen Kredit verspielt.

Ein Grundproblem in der Zusammenarbeit zwischen ihm und dem restlichen Verein bleibt jedoch seine Art. In 05-Kreisen wird Kaluza immer wieder als beratungsresistent beschrieben. Eine ernsthafte und verbindliche Zusammenarbeit sei nur schwer möglich, heißt es. Nachhaltig stößt der Vereinsführung noch immer auf, dass Kaluza Mainz 05 immer wieder als "arm, aber sexy" bezeichnet hat. Erstmals im Interview mit dieser Zeitung, später unter anderem mehrmals auf der Mitgliederversammlung. Dass Kaluza intern keine Ratschläge annimmt und oftmals auf eigene Faust handelt, sorgt intern immer wieder für Irritationen. Unter anderem deshalb kam es zwischen den Geschäftsführern, Vorstandskollege Rouven Schröder und eben Kaluza zu einem Krisengespräch - mit einer ganz bitteren Nachricht für den 05-Vorsitzenden.

Vereinsführung entzieht Kaluza das Vertrauen

Aufstand in Mainz: Präsident soll zurücktreten!

Am 25. Juni 2017 auf der Mitgliederversammlung wurde Johannes Kaluza von den Mitgliedern des 1. FSV Mainz 05 zum neuen - ehrenamtlichen - Vorstandsvorsitzenden gewählt. In nur vier Monaten als Kluboberhaupt aber hat er in und um den Verein die Menschen gegen sich aufgebracht. Er hinterließ in kurzer Zeit viel verbrannte Erde. Wie der kicker erfuhr, fordert jetzt die Vereinsführung den Rücktritt des Präsidenten.

Kaluza selbst hat sich nach seinem Wahlsieg eine 100-Tage-Frist gesetzt, um sich bei Mainz 05 und in der Bundesliga zu akklimatisieren. Doch anstatt sich zu informieren und den Experten der Branche zuzuhören, ging er seinen eigenen Weg. Einen branchenfremden Weg. Gerade Sponsoren waren irritiert über die weltfremde Robin-Hood-Rhetorik des Vorstandsvorsitzenden. Jegliche Hinweise oder Ratschläge nimmt er zwar entgegen, aber nicht an. Er ignoriert sie. So wie auf der Mitgliederversammlung im Oktober, als er Aufwandsentschädigung für sich selbst thematisierte, obwohl er während seines Wahlkampf gesagt hatte, unentgeltlich tätig sein zu wollen - intern war ihm abgeraten worden, das zum Thema zu machen. Nicht nur dieses eine Beispiel brachte das Fass zum Überlaufen.

Hat das Vertrauen in seine Person binnen kürzester Zeit verspielt: FSV-Präsident Johannes Kaluza.

© imago


Schröder und die Geschäftsführer verweigern Zusammenarbeit

Deshalb wurde Ende dieser Woche ein Krisengespräch in der Mainzer Chefetage einberufen, in dem Kaluza die komplette Führungskompetenz abgesprochen wurde. Rückhalt hat der 63-Jährige keinen mehr, im Gegenteil: Der Vorstandsvorsitzende hat die restliche Führungsetage und nahezu alle Mitarbeiter gegen sich aufgebracht. Das Vertrauen in ihn ist vollständig verloren gegangen.

Hat man seine Tätigkeiten anfangs noch seiner Unerfahrenheit zugeschrieben, betrachte man sein Handeln nun als vereinsschädigend, heißt es im engsten Kreis.

Weder Sportvorstand Rouven Schröder noch die vier Geschäftsführer wollen weiter mit ihm zusammenarbeiten. Gemeinsam haben sie ihn zum Rücktritt aufgefordert, da eine Zusammenarbeit schlicht nicht möglich sei und jegliche Vereinsziele gefährde.

Hitzige Mitgliederversammlung: “Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“

Über viele Jahre verliefen Mitgliederversammlungen beim FSV Mainz 05 eher harmonisch, doch in den letzten Jahren kam zunehmend Schärfe in die Veranstaltungen. So auch in diesem Jahr: Der alte Vorstand wurde vorerst nicht entlastet.

Ende Juni beschlossen die Mitglieder des FSV Mainz 05 auf einer emotionalen außerordentlichen Mitgliederversammlung, dass Johannes Kaluza künftig den Verein führen wird und seine Arbeit von einem ehrenamtlich geführten Aufsichtsrat überwacht wird. Man hätte also annehmen können, dass die ordentliche Mitgliederversammlung am Montagabend ruhiger über die Bühne geht, doch das Gegenteil war der Fall.

„Ich war erschrocken und habe gedacht 'Gehts noch? So können wir die Dinge nicht angehen.'“

- Rouven Schröder

Sportvorstand Rouven Schröder zeigte sich zu Beginn der Veranstaltung ob des dürftigen Besuchs des DFB-Pokalspiels vergangene Woche schockiert. Nur knapp 10.500 Zuschauer kamen zum Heimspiel gegen Holstein Kiel in die Opel Arena. Schröder sagte deutlich und emotional: „Ich war erschrocken und habe gedacht 'Gehts noch? So können wir die Dinge nicht angehen.'“ Für das Pokal-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart wünsche er sich, so Schröder, ein volles Stadion: „Wir brauchen die Stadt, die Fans und die Sponsoren. Daran müssen wir Tag für Tag gemeinsam arbeiten.“

Rouven Schröder. Bildquelle: Thorsten Lüttringhaus

Außerdem rechtfertigte der Nachfolger von Christian Heidel - der sich bei Heidel selbst und Ex-Präsident Strutz auch für das in ihn gesetzte Vertrauen bedankte - auch für den Verkauf von Star-Spieler Yunus Malli. Der Mittelfeldspieler hatte den FSV im Januar 2017 überraschend verlassen und sich dem VfL Wolfsburg angeschlossen. Malli hätte bereits im Vorjahr ein interessantes Angebot aus Dortmund abgelehnt, daher habe man sich zum Verkauf entschieden, so Schröder, der hinzufügte: „Ich glaube, er wäre zur Belastung für die Mannschaft geworden“.

Vorstand vorerst nicht entlastet

Dann wurde es emotional: Detlev Höhne - Vorsitzender des Aufsichtsrates - gab bekannt, dass der alte Vorstand um Harald Strutz vorerst nicht entlastet werden könne. Dies hänge damit zusammen, dass nicht umfassend geklärt werden könne, ob nicht noch juristische Ermittlungen gegen den alten Vorstand am laufen seien.

Es habe, so Höhne, mehrere anonyme Hinweise an ihn und den Vereinsvorsitzenden gegeben, die den alten Vorstand belastet hätten und erst geprüft werden mussten. Einer davon war eine Hotelrechnung, die angeblich aufzeigte, dass ein Mitglied des Vorstands zwischen Dezember 2013 und Januar 2014 in einem Hamburger Nobel-Hotel residiert hätte und dies über den FSV Mainz 05 abgerechnet habe. Wie eine Überprüfung ergab, entspreche diese Geschichte nicht der Wahrheit. Obwohl Höhne deeskalierend anfügte „Ich möchte ausdrücklich sagen, dass keine Vorverurteilung, Verdachtsmomente oder ähnliches im Raum stehen“, folgten mehrere emotionale Wortmeldungen. Eine davon kam von Ex-Präsident Harald Strutz, der sich verteidigte.

Er habe im Jahr 2014 einen Anruf aus der Investigativabteilung der Bild-Zeitung bekommen, die ihn mit den Vorwürfen bezüglich der Hotelrechnung konfrontiert hätte. Auch andere Zeitungen hätten zu dieser Zeit diese Informationen aus einer anonymen Quelle erhalten. Damals habe er dies bereits klar widerlegen können, so Strutz. Dann sagte er in Richtung des Aufsichtsrates: „Meine Herren, Sie hatten vier Monate Zeit. Lassen Sie diesen Vorstand in Ruhe.“

Detlev Höhne. Bildquelle: Thorsten Lüttringhaus

"Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“ - Manfred Thöne

Noch emotionaler setzte sich Ex-Vorstandsmitglied Manfred Thöne zur Wehr. Sichtlich aufgewühlt sagte er: „Ich habe 25 Jahre dem Vorstand angehört und in manchen Jahren persönlich für den Verein gebürgt.“ Was sich an diesem Abend zutrage, sei eine „Frechheit“. „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“, so Thöne, der mit dem Vereinsaustritt drohte. Detlev Höhne antworte deeskalierend: „Wir haben großen Respekt und Wertschätzung dem alten Vorstand gegenüber, müssen aber den Vorwürfen nachgehen.“

Gewinn verdoppelt

Vor lauter Emotion wäre beinahe untergegangen, was Finanzgeschäftsführer Christopher Blümlein zu sagen hatte. Mainz 05 konnte seinen Gewinn im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr knapp verdoppeln: Rund 10,9 Millionen Euro nahm der Verein nach Abzug der Aufwendungen ein. Auch der Auftritt von Vereinspräsident Johannes Kaluza ging in der Emotionalität des Abends etwas unter. Er versprach: „Ich werde weiterhin alles daran setzen, die Erwartungen und das in mich gesetzte Vertrauen umzusetzen.“

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