Punktsieg für Präsident, aber Kritik an Intransparenz

Strutz: "Kein Grüß-Gott-August"

Harald Strutz hat bei der Mitgliederversammlung des 1. FSV Mainz 05 einen Punktsieg gelandet. Doch die Thematik um die Entschädigung des Vorstandes bleibt ein Kritikpunkt. Das verdeutlichten mehrere Wortmeldungen nach dem Bericht des Vorstandes durch den Präsidenten, der erklärte: "Ich sehe mich nicht in der Hauptamtlichkeit als Präsident oder Vorstandsvorsitzender. Ich beabsichtige, als gewählter Präsident zu kandidieren."

Rund die Hälfte der Wortbeiträge kritisierte das intransparente Vorgehen des Führungsgremiums. Im Januar war durch Medienberichte bekannt geworden, dass der eigentlich ehrenamtliche Vorstand seit 2006 Aufwandsentschädigungen kassiert. Strutz' monatliche Entschädigung stieg peu a peu auf 9000 Euro an; zudem hatte er einen Vertrag als permanenter juristischer Berater, der ihm ab 2006 6000 Euro pro Monat garantierte.

Diese Summe stieg bis 2013 auf 14.000 Euro. Des Weiteren konnte das frühere DFB- und DFL-Vorstandsmitglied Beträge aus der

Harald Strutz

Kritisiert und entlastet: FSV-Präsident Harald Strutz.
© imago

Rechtsschutzversicherung des Klubs abrechnen, was vertraglich legitimiert war. Strutz selbst gab sich von Beginn an kämpferisch, unterstrich die Leistungen des amtierenden Vorstands für den Klub, dessen Chef er 1988 in einer wirtschaftlich prekären Situation geworden war. Er führte aber auch aus, Fehler in Sachen Transparenz gemacht zu haben.

Strutz' erklärt Herzensentscheidung und übt Medienkritik

Im Zuge des Bundesligaaufstiegs 2004 "wollten wir Christian Heidel den lückenlosen Übergang in die Hauptamtlichkeit ermöglichen". Was 2005 geschah. Strutz selbst habe sich damals auch die Frage gestellt: "Präsident von Mainz 05 oder Rechtsanwaltskanzlei?" Und erklärte am Dienstagabend: "Ich habe mit dem Herzen entschieden. Und mein Plan war: hauptamtlicher Präsident von Mainz 05 zu werden. Neben dem hauptamtlichen Manager Christian Heidel." Aufgrund der damals unsicheren Lage, ob sich der Klub in der Bundesliga etablieren würde, habe man aber nicht gewusst, ob man zwei Hauptamtliche in der Klubführung finanzieren könne. Daher und aufgrund der gestiegenen Verpflichtungen habe man damals die Idee mit der Aufwandsentschädigung geboren.

Warum der Vorstand dies nicht bereits im Januar 2016 erklärt habe, wollte ein Mitglied wissen. Strutz entgegnete, man habe dies nicht vor der durch den Heidel-Abgang in Schwung gekommenen Debatte um die Neustrukturierung tun wollen. Eine konkrete Antwort aber blieb er damit auch schuldig. Einmal mehr kritisierte er die mediale Berichterstattung über die Vergütung in einer für den Verein ob des drohenden Heidel-Abgangs schwierigen Situation: "Da fragt man sich schon: Sollte jetzt Unruhe in den Verein hineingetragen werden, so dass Mainz 05 in ein Vakuum fällt und seine Stabilität verliert?"

Diese Situation sei aber nun überstanden - und soll in einer neuen Struktur mit hauptamtlichen Vorstand plus Kontrollgremium münden, die auf der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 13. November weiterdiskutiert werden wird. Strutz selbst schwieg bis dato zu seiner möglichen Rolle in diesem neuen Modell. Vor rund 500 Mitgliedern, die den Vorstand bei 14 Gegenstimmen und acht Enthaltungen entlasteten, führte der 65-Jährige nun aus: "Die Führungsspitze braucht eine Identifikationsfigur - und das bin ich. Ich möchte einen guten Übergang haben, ich möchte einen Abschluss finden. Nicht jetzt, aber in drei Jahren." Er sehe seine Rolle nicht acht oder zehn Stunden im Büro, aber eben auch "nicht als Grüß-Gott-August". Was das bedeutet? "Ich sehe mich nicht in der Hauptamtlichkeit als Präsident oder Vorstandsvorsitzender. Ich beabsichtige als gewählter Präsident zu kandidieren."

Ergo: Er will den Verein führen, aber nicht hauptamtlich. Er dürfte gute Chancen haben, diese Rolle auch wirklich auszufüllen. Denn die Opposition im Klub, der einen Rekordumsatz von 104,8 Mio. Euro und einen Gewinn vor Steuern von 5,8 Mio. für das abgelaufene Geschäftsjahr meldete, blieb am Dienstagabend eher ein Oppositiönchen.

 

Benni Hofmann

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