Schröders Meinung zu den großen Themen

"Investoren dürfen nicht zweimal im Jahr mit dem Heli einschweben"

Er will den Spagat zwischen gesundem Wirtschaften und Qualitätserhöhung schaffen, weiter in Steine investieren, bei Transfers auf den Trumpf Ruhe setzen und den Fokus auf entwicklungsfähige Spieler legen, wie mit dem Kauf von Gerrit Holtmann unter Beweis gestellt. Wie der neue Sportdirektor des 1. FSV Mainz 05, Rouven Schröder, sein Kerngeschäft angehen will, hat er zur Genüge erzählt. Doch wie steht er zu den großen Themen, die die Liga bewegen?

 

Rouven Schröder
Klubs sollen das Heft in der Hand behalten:
Rouven Schröder.                      © picture alliance
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Da wäre zum Beispiel die Dominanz des FC Bayern, der jüngst seinen vierten Meistertitel in Folge einfuhr. Sind die Münchner auf Jahre hinaus der designierte Champion? "Davon ist auszugehen", sagt Schröder, auch vor dem Hintergrund des zuletzt getätigten Hummels-Transfers, im Gespräch mit dem kicker. Das hänge aber mit der Vergangenheit des Klubs zusammen. "Sie haben sich ihre wirtschaftlichen Voraussetzungen sportlich hart erarbeitet und wenn sie ihr Geld in einen deutschen Innenverteidiger investieren, dann sage ich: Wunderbar, dass der in der Bundesliga bleibt." Dass Bayern der klare Favorit ist, müsse dennoch nicht heißen, dass die Schale automatisch vergeben ist, findet der 40-Jährige, der die Konkurrenz ebenso gut aufgestellt wie gefordert sieht: "Dortmund hat sie dieses Jahr bis kurz vor Schluss gejagt, Gladbach macht seit Jahren sehr gute Arbeit, Wolfsburg wird wiederkommen, Leverkusen noch stärker. Und Christian (Heidel, Anm. d. Red.) wird Schalke wieder auf Trab bringen."

 

Kleine Klubs sollen die großen herausfordern

Die Bayern, der BVB, Gladbach, Wolfsburg, Schalke, Leverkusen - läuft alles normal, müsste dieses Sextett ob seiner finanziellen Basis, die es sich nicht zuletzt mit Königsklassenteilnahmen in den vergangenen Jahren geschaffen hat, die Liga dominieren. Schröder begreift diese Vormachtstellung im Rennen um die europäischen Plätze als Reiz für kleinere Vereine. "Es gilt, diese Klubs herauszufordern." Das beste Beispiel sei sein neuer Arbeitgeber: "Vor der Saison hat doch niemand gedacht, dass Mainz 05 an diese Gruppe der Großen rankommt und beispielsweise vor Wolfsburg landet."

 

"Der Verein muss über das Tagesgeschäft entscheiden und das Heft des Handelns in der Hand behalten.Rouven Schröder"

 

Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass ob des monetären Backgrounds mit RB Leipzig in den nächsten Jahren ein weiterer Big Player erwächst, der auf Sicht den Anspruch hat, international vertreten zu sein. Doch wie viele Investoren- oder Konzernklubs verträgt die Liga? "Das kann ich nicht sagen", gibt sich Schröder salomonisch. Eines ist für den Sauerländer aber klar: "Kein Investor kann fordern, zweimal im Jahr mit dem Helikopter einzuschweben und zu sagen: Spieler x, y, z wird verpflichtet." Der frühere Defensivspieler begreift das potenzielle Engagement eines Geldgebers als Miteinander: "Wer bezahlt, hat ein großes Vetorecht. Wenn sich einer seriös beteiligen will, ist er herzlich willkommen. Aber der Verein muss über das Tagesgeschäft entscheiden und das Heft des Handelns in der Hand behalten."

Aus Sicht von vielen Vereinen sind Beteiligungen, zumindest über die Hälfte hinaus, ohnehin auf Basis der 50+1-Regel Zukunftsmusik. Jedoch nicht für alle, schließlich gibt es Klubs wie Hoffenheim oder Hannover, wo sich Mäzene bereits seit über oder fast 20 Jahren in erheblichem Maß finanziell engagieren und somit eine Sonderrolle in der Liga einnehmen. Für Schröder kann Hannover, wo Martin Kind ab 2018 in einer dann seit 20 Jahren existierenden GmbH zusammen mit Gesellschaftern aus der Region die Mehrheitsanteile am Klub übernehmen will, zum Lackmustest werden: "Wir werden sehen, was beispielsweise in Hannover passiert, wenn es diese Situation geben würde."

Benni Hofmann

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