Was das vom Trainer immer wieder angeführte Thema Mentalität angeht, haben die Profis des 1. FSV Mainz 05 in ihrem ersten Pflichtspielauftritt der neuen Saison ein deutliches und bemerkenswertes Ausrufezeichen gesetzt. Der Bundesligist nahm im Erstrundenspiel des DFB-Pokals souverän die schwere Hürde beim Zweitligisten FC Erzgebirge Aue, obwohl das Team von Sandro Schwarz insgesamt 90 Minuten lang in Unterzahl spielen musste, weil Moussa Niakhaté bereits nach 134 Sekunden wegen einer Notbremse die Rote Karte gesehen hatte. "Nach drei Minuten mit einem Mann weniger da zu stehen, das ist schon mal ein Hallo-wach-Effekt. Die Mannschaft hat das aber ruhig aufgenommen und fußballerisch sehr gut gelöst. Für uns ist das ein sehr gutes Signal", sagte Rouven Schröder nach der abgeklärten Vorstellung beim 3:1-Erfolg im Erzgebirge. "Dass wir in der zweiten Runde sind, ist das Wichtigste. Jetzt freuen wir uns auf den Bundesliga-Start gegen Stuttgart und hoffen auf eine volle OPEL ARENA."

Die Mainzer hatten mit diesem Pokal-Los echte Aufgabe vor der Brust. "Wir wussten, dass es schwer wird", sagte der 05-Sportvorstand. Das erste Pflichtspiel bei einem zu Hause als sehr unangenehm geltenden Gegner, "da weißt du noch nicht so richtig, wo du stehst". Als Niakhaté beim ersten gefährlichen Angriff nach Abstimmungsproblemen in der hinteren Viererkette Sören Bertram knapp vor der Strafraumgrenze mit einem Rempler zu Fall brachte, die Torchance damit verhinderte und von Schiedsrichter Felix Zwayer mit Rot vom Feld geschickt wurde, war die Ausgangslage noch komplizierter geworden. Das taktische 4-2-3-1 war obsolet, Schwarz zog Jean-Philippe Gbamin nach hinten, Alexandru Maxim auf die Doppelsechs neben Ridle Baku. Die 05er spielten nun ein 4-4-1, steckten den Schock nach wenigen Minuten weg und präsentierten sich fortan so, als sei überhaupt nichts passiert. "So, wie wir es in Unterzahl gemacht haben, war es total überzeugend", sagte der 05-Trainer nachher erfreut. "Der ganze Auftritt. Das war eine stabile, reife Leistung. Es ist keine Selbstverständlichkeit unter diesen Vorzeichen. Dass es so überzeugend war, gibt uns ein gutes Gefühl für den Moment."

Unterzahl fiel nicht auf

Die 05er verlegten sich auf intensive Vorwärtsverteidigung und Balleroberung. "Unser Grundgefühl ist stabil. Das haben wir uns in der Vorbereitung erarbeitet. Nach dem Platzverweis kam nie der Gedanke, etwas verändern zu müssen, wenn wir die Kugel haben. Der einzige Unterschied war, dass wir tiefer anlaufen mussten. Aber im Ballbesitz ist es gar nicht aufgefallen, dass wir ein Mann weniger waren", sagte Schwarz. "Es war eine Prüfung, die wir angenommen haben."

Vieles sei aufgegangen von dem, was im Vorfeld besprochen worden sei. "Im Freilaufverhalten fand ich uns sehr gut. Wir hatten relativ schnell das Gefühl, dass wir dem Gegner so den Zahn ziehen können. Wir haben es in engen Räumen gut gelöst und schön herausgespielte Tore erzielt. Ich bin echt zufrieden", erklärte der 39-Jährige. Alexandru Maxim erzielte den Führungstreffer nach einer guten halben Stunde, nachdem Pablo De Blasis mit großem Einsatz im Strafraum nachgesetzt, dem Verteidiger den eigentlich schon sicheren Ball wieder abgenommen und in die Mitte gepasst hatte. Jean-Philippe Mateta vergab kurz vor der Pause die Riesenchance zum 2:0, als der Mittelstürmer, von De Blasis im Strafraum frei gespielt, nur das Außennetz traf.

"Ein guter Anfang"

Nach dem Wechsel musste Florian Müller im 05-Tor zwei gefährliche Aktionen der nun druckvoller aufspielenden Gastgeber vereiteln, ehe der gerade eingewechselte Robin Quaison nach einem perfekten Tiefenpass von Maxim auf 2:0 erhöhte. Als der Rumäne schließlich mit seinem zweiten Treffer auf 3:0 stellte, war die Geschichte im Prinzip durch. Auch wenn die Auer am Ende durch Pascal Testroet noch verkürzten. "Wir haben es nicht mehr spannend gemacht, aber wir mussten schon aufpassen, nicht das 3:2 zu kriegen", sagte Schwarz. Der Zweitligist fand aber nicht die fußballerischen Mittel, um die 05er zu gefährden, zumal die immer wieder auch ihre Konter starteten.

"Ein guter Anfang", lautete das Resümee des 05-Trainers, der im Übrigen schon seinen zweiten Pokalsieg unter ähnlichen Voraussetzungen in Aue feiern durfte. Vor 17 Jahren nämlich hatte Schwarz als Mittelfeldspieler im 05-Team gestanden, das sich vor der Pause mit einer Roten Karte (Sven Christ) dezimiert hatte, um nach Verlängerung mit 2:1 in die zweite Pokal-Runde einzuziehen.

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