Von Nils Salecker

Die jüngsten drei Niederlagen hatten allesamt unterschiedliche Gründe. Grundsätzlich scheint die Mannschaft in Takt, einige Baustellen tun sich aber auf – eine Analyse.

Nur ein Tor in drei Spielen gelang den 05ern zuletzt. Auch Antony Ujah (links) konnte als Joker daran nichts ändern. Foto: dpa

Elf Gegentore in drei Spielen, nur ein einziger eigener Treffer und vor allem drei Niederlagen am Stück. Nachdem der FSV Mainz 05 mit zwei Siegen fantastisch in das Fußball-Jahr 2019 gestartet ist, kehrt nun Ernüchterung ein. In Panik verfällt aber niemand. Auch das Wörtchen Krise nimmt noch keiner in den Mund. Und dennoch liegt vor dem Heimspiel gegen Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr) einiges im Argen – ein Überblick.

Wie ordnen die 05er die Misere ein?
„Das ist keine Krise“, sagt Sportvorstand Rouven Schröder. „Trotz allem haben wir natürlich keine gute Phase, wenn wir dreimal in Folge verlieren.“ Sowohl Schröder als auch Trainer Sandro Schwarz reagieren auf die drei Niederlagen mit relativ kühlem Kopf. Die Pleite gegen Wolfsburg nervte den Trainer zwar „wie Sau“. Er werde jetzt aber nicht alles auf den Kopf stellen. „Es ist nicht so, dass wir voller Selbstzweifel sind und uns fragen: Was machen wir jetzt?“, schildert der Coach. „Dass wir mal so eine Delle haben, ist für uns als Verein normal.“
Drei Niederlagen – das gab‘s schon einmal unter Schwarz
Drei Niederlagen gab es zuletzt und das bislang einzige Mal unter Schwarz‘ Regie ziemlich genau vor einem Jahr: von Januar auf Februar gegen Bayer Leverkusen, Bayern München und die TSG Hoffenheim. Damals rutschten die 05er (damals mit 20 Punkten, heute 27) auf den Relegationsplatz ab. Und das ist der deutlichste Unterschied zur aktuellen Negativserie, in der den FSV weiterhin zwölf Punkte von der Gefahrenzone trennen. 2018 fingen sich die Mainzer mit einem 2:0-Sieg bei Hertha BSC. „Wenn du dreimal keinen Erfolg hattest, dann fehlt dir etwas“, sagt Schröder. „Dann gibt es eine Sehnsucht, sich diese Bestätigung sich zu holen“, baut er auf ein Erfolgserlebnis gegen Schalke 04 am Samstag.
Drei Niederlagen mit vielen Nennern
Die drei Niederlagen auf einen Nenner zu bringen, geht nicht. Alle drei waren unterschiedlicher Natur. Beim 0:3 gegen Augsburg war die Mannschaft nicht wirklich auf dem Platz. Es war die bislang schlechteste Saisonleistung. Vereinzelt gestanden Spieler, mit der falschen Einstellung an die Sache herangegangen zu sein. Dazu kam das Pech mit zwei Handelfmetern. Beim 1:5 gegen Leverkusen hingegen war die Einstellung nicht das Problem, im Gegenteil: Spielfreude war da, Chancen auch. Zu viele Fehler im Spielaufbau und ein System mit zu wenig Absicherung kanzelte Bayer 04 aber gnadenlos ab. Jene Fehler im Spielaufbau waren dann vielleicht der einzig gemeinsame Nenner mit der Partie in Wolfsburg. Gegen die Wölfe unterliefen selbst in der stärksten Phase Mitte der ersten Hälfte Jean-Philippe Gbamin und Co. Missgeschicke im Vorwärtsgang. Mit dem Unterschied, dass der VfL weniger gnadenlos konterte als Bayer 04. Beim 0:3 in Niedersachen wiederum fiel das Ergebnis höher aus, als es das Spiel hergab. Die Rheinhessen waren nicht die wesentlich schlechtere Mannschaft, kontrollierten teilweise gar die Partie.
Was muss besser werden?
Grundlegende Probleme scheint es nicht zu geben. Die Mannschaft ist in Takt. Bestes Beispiel ist die Reaktion nach dem frühen 0:1 in Wolfsburg. „Man hat schon gesehen: Wir haben keine Stimmungslage, in der du denkst: Oh Gott, uns bricht alles weg“, folgerte Schwarz. Von großer Verunsicherung war da keine Spur. Nur von übermäßig großem Selbstvertrauen eben auch nicht. Nach dem 0:2 hingen die Schultern. Und: Hatten die Siege gegen die zwei schwachen Gegner Stuttgart und Nürnberg zum Rückrunden-Auftakt noch die Schwächen kaschiert, taten die Partien drei bis fünf im neuen Jahr drei Baustellen auf: die Durchschlagskraft in der Offensive, Abschlussqualität und eben die Fehlerquote im Spielaufbau. Um es profan zu sagen: Elf Gegentore aus drei Spielen sind eindeutig zu viel, nur ein geschossenes definitiv zu wenig. Klar ist vor allem nach Wolfsburg: Die 05er müssen wieder mehr Schwung in die Kiste bekommen. Sie müssen wieder mehr investieren. Ein paar Prozente mehr reinlegen, in Sprints, in Steilpässe, in Flanken.
Tabelle als Beruhigungsmittel?
Anders als im Vorjahr ist die Tabellensituation alles andere als bedrohlich. Usus im Fußballgeschäft ist zwar, dass sich alle in ihrem Tun vom Blick aufs Tableau frei machen wollen. „Auf die Tabelle sollten wir gar nicht schauen, sondern nur auf unsere Arbeit“, sagt Schröder. Ob aber bewusst oder unterbewusst, kann die Tabelle aktuell durchaus wirken wie Morphium: unheimlich beruhigend. Weil die Konkurrenz im Keller schläft, bleibt das Polster komfortabel. Ob sich dies auch auf den ein oder anderen Spieler auswirkt, ist tiefere Psychologie. Die unbesorgte Gesamtsituation kann Fluch und Segen zugleich sein. Eigentlich müsste sie das Team befreit aufspielen lassen. Andererseits lässt sie die Mannschaft auch wenig Druck verspüren, den es vielleicht für die entscheidenden Prozente in den Aktionen bräuchte. Für ein paar Prozente mehr an Energie, Willen und Konzentration.
Wie reagieren die 05er?
Die großen Hebel wird Schwarz bis zum Schalke-Spiel nicht bewegen. Aktionismus ist keine Option. „Es gibt einen glasklaren Plan, wie wir zu spielen haben, da wissen alle Bescheid“, sagt er. Auch das große Rotationsrad wird er nicht anschieben. „Jetzt in die Woche reinzugehen und zu sagen, wir müssen sieben Positionen verändern“, das mache keinen Sinn. Großflächig durchrotieren, das ist tatsächlich mit Blick auf das Personal der Partie gegen Wolfsburg der falsche Schluss. Denn dieses war das nominell Beste, was Mainz in dieser Saison zur Verfügung hat. Dass der ein oder andere seiner Form hinterherhinkte, räumte aber auch Schwarz ein.

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